Nachrichten 18.06.2020

So viel kardiovaskulären Schutz bieten SGLT2-Hemmer bei Diabetes

Mit der gerade vorgestellten VERTIS-CV-Studie ist die Datenbasis bezüglich kardioprotektiver Effekte von SGLT2-Hemmern bei Typ-2-Diabetes weiter konsolidiert geworden. Eine aktualisierte Metaanalyse verdeutlicht, was an Schutz für Herz und Gefäße zu erwarten ist.

Die gerade beim virtuellen Kongress der American Diabetes Association (ADA) 2020) präsentierte VERTIS-CV-Studie ist die vierte große Endpunktstudie, die Aufschluss über kardiovaskuläre Effekte von SGLT2-Hemmern – in diesem Fall von Ertugliflozin – bei Patienten mit Typ-2-Diabetes gibt. Zuvor waren unter dieser Fragestellung bereits die SGLT2-Hemmer Empagliflozin (EMPA-REG-OUTCOME-Studie), Canagliflozin (CANVAS-Studienprogramm) und Dapagliflozin (DECLARE-TIMI-58-Studie) untersucht worden.

Alle vier Studien waren aufgrund einer 2008 verfügten Auflage der US-Gesundheitsbehörde FDA initiiert worden, welche die Zulassung neuer Antidiabetika an dem Nachweis ihrer kardiovaskulären Unbedenklichkeit geknüpft hat. Ohne diese FDA-Auflage wäre womöglich nie – oder zumindest nicht so rasch ­– offenbar geworden, dass SGLT2-Hemmer – und im Übrigen auch GLP-1-Agonisten – das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse nicht nur nicht erhöhen, sondern in spezifischer Weise senken.

Experten haben sich beeilt, bisher vorliegende Metaanalysen einschlägiger SGLT2-Hemmer-Studien, nun ergänzt um die neuen VERTIS-CV-Daten, zu aktualisieren. Ergebnisse eines entsprechenden Metaanalysen-Updates hat Dr. Darren McGuire von University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas direkt im Anschluss an die VERTIS-CV-Präsentation beim virtuellen ADA-Kongress 2020 vorgestellt.

Daten von knapp 47.000 Studienteilnehmern als Basis

Außer den genannten vier Studien ist für diese Metaanalyse noch die CREDENCE-Studie berücksichtigt worden. Darin war es primär um die Frage der renalen Effekte von Canagliflozin bei Patienten mit diabetischer Nephropathie gegangen. Insgesamt brachten es diese Studien auf eine Zahl  von knapp 47.000 Patienten mit Typ-2-Diabetes als Studienteilnehmer.

Anhand der Hazard Ratio (HR) haben die Autoren um McGuire mit Blick auf diverse klinische Endpunkte das jeweilige Risiko der mit SGLT2-Hemmern behandelten Patienten mit dem von Patienten der Placebo-Gruppe verglichen. Dabei wurde auch danach differenziert, ob die Patienten zu Beginn bereits eine atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung (ASCVD, atherosclerotic cardiovascular disease) hatten oder nicht.

Kardiovaskuläre Mortalität um 15% niedriger

Für den kombinierten MACE-Endpunkt (Major Adverse Cardiovascular Events: kardiovaskulär bedingter Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall) ergab sich ein um 10% niedrigeres Risiko bei SGLT2-Hemmer-Therapie (HR 0,90, 95% Konfidenzintervall 0,85 – 0,96). Von dieser Risikoreduktion schienen primär Patienten mit manifester kardiovaskulärer Erkrankung profitiert zu haben (HR 0,89, 95% KI 0,84 – 0,95), weniger die Patienten ohne ASCVD (HR 0,94, 95% KI 0,83 – 1,07). Allerdings ist die Datenlage für diese Subgruppe derzeit noch sehr limitiert.

In Bezug auf die kardiovaskuläre Mortalität resultierte auf Basis aller Studien ein um 15% niedrigeres Risiko bei SGLT2-Hemmer-Therapie (HR 0,85, 95% KI 0,78 – 0,93).

32% weniger Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz

Am stärksten war der Unterschied mit Blick auf Klinikaufenthalte wegen Herzinsuffizienz. Bezüglich dieses Endpunktes waren SGLT2-Hemmer mit einem um  32% niedrigeren Risiko assoziiert (HR 0,68, 95% KI 0,61 – 0,76). Dabei machte es keinen Unterschied, ob bereits eine kardiovaskuläre Erkrankung bestanden hatte oder nicht: In beiden Subgruppen war das Risiko im Fall einer SGLT2-Hemmer-Therapie jeweils deutlich niedriger, in der Subgruppe mit ASCVD um 30% (HR 0,70, 95% KI 0,62 -0,78), in der Subgruppe ohne ASCVD um 37% (HR 0,63, 95% KI 0,50 – 0,80).

Schließlich sind auch noch die Risikounterschiede bezüglich eines renalen Endpunktes, der die Ereignisse renal verursachter Tod, Nierenersatz (Dialyse, Transplantation) sowie eine Verdopplung des Serumkreatininwerts kombinierte, berechnet worden. Hier ergab sich ein um 38% niedrigeres Risiko in der SGLT2-Hemmer-Gruppe (HR 0,62, 95% KI 0,56 – 0,70).

Metaanalyse stützen Leitlinien-Empfehlungen

Nach Einschätzung von McGuire sprechen diese Ergebnisse dafür, dass die kardiovaskulären und renalen Effekte von SGLT2-Hemmern innerhalb dieser Wirkstoffklasse weitgehend konsistent sind. Am größten sei ihr Nutzen demnach in Bezug auf die Reduktion von Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz und die Progressionsverzögerung bei Nierenerkrankungen.

Nach Ansicht von McGuire stützen die Ergebnisse der neuen Metaanalyse die Leitlinien-Empfehlungen diabetologischer oder kardiologischer Fachgesellschaften, wonach SGLT2-Hemmer unabhängig von Aspekt der Blutzuckersenkung bevorzugt bei Patienten mit Diabetes und einem hohen Risiko für kardiovaskuläre oder renale Komplikationen therapeutisch genutzt werden sollten.

Literatur

Vorgestellt am 16. Juni 2020 in der Sitzung “Results of the eValuation of ERTugliflozin EffIcacy and Safety CardioVascular Outcomes Trial (VERTIS-CV)” im Rahmen des virtuellen Kongresses der American Diabetes Association (ADA) 2020.

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