Nachrichten 23.07.2020

Sondenentfernung: Ob OP oder Katheterlabor spielt keine Rolle

Die transvenöse Entfernung von kardialen Implantatsonden klappt umso besser, je mehr Erfahrung ein Zentrum hat. In welchem Setting extrahiert wird, hat dagegen keine Bedeutung.

Das European Lead Extraction Controlled Registry (ELECTRa) war ein von der ESC im Rahmen des EURObservational Research Program (EORP) organisiertes Register zur Entfernung von Sonden kardialer Implantate. Mehr als 3500 Patienten nahmen zwischen 2012 und 2014 in 73 Zentren in 19 europäischen Ländern teil. Schon vor einiger Zeit konnte im Rahmen erster Auswertungen gezeigt werden, dass bei Sondenentfernungen in High-Volume-Zentren – definiert als mindestens 30 transvenöse Sondenextraktionen (TLE) pro Jahr – weniger schwere Komplikationen einschließlich Todesfällen auftreten als in Low-Volume-Zentren mit weniger als 30 TLE pro Jahr.

Jetzt haben die Studienleiter eine weitere Analyse vorgelegt. Sie sieht sich zum einen speziell prozedurale Komplikationen an, zum anderen analysiert sie, inwiefern es einen Unterschied machte, ob die TLE in einem OP-Saal, einem Hybrid-OP oder einem konventionellen, kardiologischen Katheterlabor erfolgte.

TLE sollte in erfahrenen Zentren erfolgen

Die Auswertung der prozeduralen Erfolgsrate und der prozeduralen Sterblichkeit bestätigte im Wesentlichen die bisherigen Erkenntnisse: In High-Volume-Zentren waren 97,1% der Prozeduren erfolgreich, gegenüber 93,5% in Low-Volume-Zentren. Das war ein hoch signifikanter Unterschied. (p<0,0001) Die prozedurale Sterblichkeit betrug in erfahrenen Händen 0,4%, gegenüber 1,1% in den weniger erfahrenen Zentren. Auch dieser Unterschied war statistisch signifikant. (p=0,04) Insgesamt war das Risiko schwerer, prozedurenassoziierter Komplikationen einschließlich Todesereignissen an Zentren mit weniger als 30 Patienten pro Jahr knapp doppelt so hoch wie an erfahrenen Zentren.

Keinen Unterschied machte es dagegen, in welchem Setting beziehungsweise welcher Abteilung die TLE stattfand. Im ELECTRa-Register erfolgte rund die Hälfte der TLE in meist kardiochirurgischen OP-Sälen. 9,5% der Extraktionen wurden in Hybrid-OPs durchgeführt, und in 38,5% der Fälle war der Patient für die TLE im normalen Katheterlabor. Schwere prozedurenassoziierte Komplikationen einschließlich Todesfälle traten bei 1,7% der Patienten auf, die in OP-Sälen bzw. Hybrid-OPs versorgt wurden. In den Katheterlabors waren es annähernd genauso viele, nämlich 1,6%. Insgesamt bestätige sich damit, dass TLE in erfahrenen Zentren erfolgen sollten, so die Autoren. Erfolg und Sicherheit der Prozedur seien aber eher keine Frage von Fachrichtung oder Infrastruktur.

Literatur

Sidhu BS et al. The effect of centre volume and procedure location on major complications and mortality from transvenous lead extraction: an ESC EHRA EORP European Lead Extraction ConTRolled ELECTRa registry subanalysis; EP Europace 2020; 20. Juli 2020; doi: 10.1093/europace/euaa131

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