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11.01.2017 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Prävention durch körperliche Aktivität

Sportlich ranklotzen nur am Wochenende? Auch das hält gesund!

Autor:
Philipp Grätzel

Sport schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das ist klar. Aber muss es drei- bis viermal die Woche sein? Vielleicht nicht, sagen britische Sportmediziner. Seltener stirbt demnach auch, wer nur am Wochenende sportelt. Sofern er dafür ordentlich ranklotzt.

Sie kennen das Problem: Die Präventionsleitlinien erzählen Ihnen ständig, Sie sollen drei- bis viermal die Woche 30 bis 40 Minuten moderat sportlich aktiv sein. Aber das Wetter ist bescheiden, der letzte Patient verlässt erst um sieben die Praxis, zu Hause macht die Familie Stress und gekocht hat auch noch keiner. Am Ende landen Sie erledigt vorm Fernseher oder belohnen sich im Online-Shop.

Unter der Woche sind viele Menschen im modernen Leben stark eingebunden. Am Wochenende ist das anders, und deswegen versucht mancher, durch viel Ehrgeiz in zwei Tagen das reinzuholen, was die fünf Tage vorher sportlich liegen blieb. Im Englischen hat das Phänomen einen Namen: Weekend Warrior, und nein, das bezieht sich nicht auf Online-Rollenspiele. Ein Weekend Warrior reißt die mindestens 75 Minuten maximale Belastung oder mindestens 150 Minuten moderate körperliche Tätigkeit, die die European Guidelines on Cardiovascular Disease Prevention von ihm verlangen, in ein oder zwei Sportsessions am Samstag oder Sonntag herunter, statt sie in Häppchen aufzuteilen.

Studie bei 63.000 Erwachsenen

Spart Zeit und auch Waschmittel. Nur: Bringt das was? Oder minimieren Sie damit zwar Ihre Gewissensbisse, nicht aber die Folgen atherosklerotischer Gefäßveränderungen? Der Sportwissenschaftler Dr. Gary O‘Donovan von der Universität Loughborough in England hat das untersucht. Basis waren Interviews mit gut 63.000 Erwachsenen, die zwischen 1994 und 2012 im Rahmen eines nationalen Gesundheits-Surveys in England und Schottland geführt wurden.

Mortalität um 30% niedriger

Wie üblich bei derartigen Erhebungen wurden Lebensstilfaktoren regelmäßig abgefragt und dann mit Ereignissen korreliert. Dabei zeigte sich, dass Menschen, die das empfohlene Mindestpensum komplett am Wochenende absolvieren, eine um signifikante 30 Prozent geringere Gesamtmortalität aufwiesen als komplett inaktive Menschen. Der Nutzen des Sports lag damit in derselben Größenordnung wie bei jenen, die ihr Sportpensum auf drei bis fünf Termine pro Woche verteilten.

Bei anderen Endpunkten ließen sich diese Daten reproduzieren. Die kardiovaskuläre Mortalität war bei Sportlern rund 40 Prozent geringer, unabhängig davon, wie oft trainiert wurde. Und die Krebsmortalität wurde um knapp 20 Prozent gesenkt.

Einschränkend muss gesagt werden, dass es sich um eine prospektive Kohortenstudie handelte. Eine Randomisierung in Gruppen mit unterschiedlicher Sportfrequenz und Sportintensität gab es nicht. Auch beruhte die Einordnung der Probanden in die unterschiedlichen Gruppen allein auf ungeprüften Angaben in Telefoninterviews.

Literatur