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11.04.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Große internationale Analyse

Ungesunde Ernährung gefährlicher als gedacht

Autor:
Joana Schmidt

11 Millionen Menschen sterben jährlich aufgrund von ungesunder Ernährung, ein Großteil davon an kardiovaskulären Erkrankungen. Eine internationale Analyse legt jetzt nahe, dass schlechte Ernährungsgewohnheiten ein größerer Risikofaktor als Rauchen, hoher Blutdruck oder Alkoholkonsum sind.

Eine ungesunde Ernährungsweise mit zu wenig Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie zu viel Fleisch, Salz und gezuckerten Getränken scheint weitreichendere Auswirkungen zu haben als bisher angenommen. Laut der groß angelegten GBD-Studie (Global Burden of Diseases, Injuries and Risk Factors Study) verursachen ungesunde Essgewohnheiten weltweit die meisten Todesfälle im Vergleich mit anderen Risikofaktoren. Dazu zählen etwa ein hoher systolischer Blutdruck, Diabetes, hohe Blutzuckerwerte, Rauchen, Alkoholkonsum und die Schadstoffbelastung der Umwelt.

Auffällig am internationalen Vergleich der Essgewohnheiten ist, dass eine gute oder schlechte Ernährung nicht von Alter, Geschlecht, sozioökonomischem Status oder Herkunft abhängig ist. Zwar haben Menschen in Industrie- und Entwicklungsländern unterschiedliche Präferenzen und Möglichkeiten bei der Zusammenstellung ihres Speiseplans, jedoch gibt es überall Defizite.

Daten aus 195 Ländern

Für die Studie, die aktuell im „Lancet“ veröffentlicht wurde, sammelten die Forscher um Prof. Ashkan Afshin der Universität Washington in Seattle Ernährungsdaten aus 195 Ländern. Sie untersuchten den Konsum der Bevölkerung von 15 Lebensmitteln und Nährstoffen im Zeitraum von 1990 bis 2017. Anhand dieser Daten schätzten sie die Auswirkungen jedes Nahrungsmittels auf nichtübertragbare Krankheiten und wie sich eine schlechte Ernährung insgesamt auf die Mortalität auswirkt.

Die 15 berücksichtigten Nahrungsmittel waren: Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen, Milch, rotes Fleisch, verarbeitetes Fleisch, gezuckerte Getränke, Ballaststoffe, Kalzium, Omega-3-Fettsäuren, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Transfettsäuren und Natrium. Sie wurden ausgewählt, da sie in früheren Studien mit Morbidität und Mortalität assoziiert waren, je nach Nahrungsmittel war eine hohe oder niedrige Aufnahme förderlich.

Zu viel Natrium, zu wenig Obst und Vollkornprodukte

Die Analyse der Forscher zeigte, dass zu viel Natrium, zu wenig Vollkornprodukte und zu wenig Obst weltweit die Risikofaktoren waren, die am meisten mit hoher Mortalität und Morbidität assoziiert waren. Mehr als die Hälfte aller ernährungsbedingten Todesfälle waren auf diese drei Faktoren zurückzuführen.

Insgesamt war die Ernährung in keinem Land optimal. Unter den gesunden Lebensmitteln wurden weltweit Nüsse und Samen, Milch und Vollkornprodukte am meisten vernachlässigt. Der Konsum von gezuckerten Getränken, verarbeitetem Fleisch und Natrium war dagegen in den meisten Ländern deutlich zu hoch. Auch der Verzehr von rotem Fleisch lag über der empfohlenen Menge.

Jeder fünfte Todesfall weltweit ernährungsbedingt?

Ungesunde Ernährung führte im Jahr 2017 zu etwa 11 Millionen Todesfällen und zu 255 Millionen durch Krankheit eingeschränkten Lebensjahren (DALYs = disability-adjusted life years). Die häufigste Ursache für Mortalität und Morbidität waren kardiovaskuläre Erkrankungen, gefolgt von Krebs und Typ-2-Diabetes. Insgesamt hatte Ägypten unter den 20 bevölkerungsreichsten Ländern der Welt die höchste Rate an ernährungsbedingten Todesfällen, Japan hatte die niedrigste Rate.

Nach Meinung der Autoren könnte durch eine Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten möglicherweise jeder fünfte Todesfall weltweit verhindert werden. Sie empfehlen eine Ernährungspolitik, die den Konsum gesunder Lebensmittel aktiv fördert, statt sich wie bisher eher auf das Vermeiden ungesunder Nahrungsmittel wie Fett oder Zucker zu fokussieren. Laut ihrer Analyse sei es vor allem empfehlenswert genug Vollkornprodukte, Früchte, Nüsse und Samen, Gemüse und Omega-3-Fettsäuren zu sich zu nehmen, um das Mortalitätsrisiko zu senken.

Literatur

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