Nachrichten 17.08.2020

US-Experten empfehlen digitales Ernährungs-Screening

Ein schnelles Ernährungsscreening mithilfe einer Software sollte Teil der Routineuntersuchungen und elektronischen Patientenakten werden, heißt es in einer neuen Stellungnahme der American Heart Association (AHA).

Eine ungesunde Ernährung ist laut US-amerikanischen Medizinern der Universität Rhode Island Risikofaktor Nummer eins für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für rund 50% der kardiovaskulären Todesfälle weltweit verantwortlich. Umso wichtiger sei es, Patienten rechtzeitig darüber aufzuklären und wenn nötig gesündere Ernährungsmuster zu etablieren. Dafür gibt es inzwischen hilfreiche Screening-Tools – doch welches ist am besten geeignet?

In ihrer Stellungnahme bewerten die Forscher um Dr. Maya Vadiveloo 15 verschiedene Programme und ermutigen Ärzte zum Austausch darüber, welche Tools sich bewähren. Auch wenn sie keine bestimmte Software empfehlen, gehen sie auf Vor- und Nachteile ein, und plädieren dafür, eine davon in die Routineuntersuchungen einzubinden. Zudem sollte das Tool laut der US-Experten in die elektronischen Patientenakten integriert werden, um die Ernährung langfristig zu kontrollieren und gegebenenfalls unterstützend einzugreifen.

Ernährungsberatung kommt oft zu kurz

Die Hauptfaktoren, die das kardiovaskuläre Risiko erhöhen und weitere Erkrankungen fördern, seien zu wenig Obst, Gemüse und Vollkornprodukte und zu viel rotes und verarbeitetes Fleisch, Zucker, Salz und Gesamtkalorien, fassen Vadiveloo und Kollegen zusammen. Meist sei Ernährungsberatung jedoch nicht Teil von Vorsorgeterminen, möglicherweise aufgrund fehlender Kenntnisse, Zeitmangel, fehlender Integration ins Gesundheitswesen oder unzureichender Erstattung.

Ein evidenzbasiertes, schnelles Screeningverfahren mit digitaler Unterstützung könne viel zum Überwinden dieser Hindernisse beitragen, so die Mediziner. Kriterien für das optimale Ernährungsscreening-Tool seien: Entwicklung oder Einsatz in der Praxis innerhalb der letzten zehn Jahre, einfache Nutzung ohne Spezialkenntnisse, Unterstützung des Patienten bei den nächsten Schritten, Möglichkeit der langfristigen Kontrolle von Ernährungsgewohnheiten und Nutzen für das Management chronischer Krankheiten. Zudem solle es evidenzbasiert, zuverlässig, fundiert und schnell sein und das gesamte Ernährungsverhalten auswerten, statt nur einzelner Komponenten.

Diese Tools sind laut AHA geeignet

Drei der 15 untersuchten Tools erfüllten die Kriterien:

- Der Mediterranean Diet Adherence Screener (MEDAS)

- das Rapid Eating Assessment für Patienten (REAP) und 

- das Powell and Greenberg Screening Tool.

Das letztgenannte bewerten die Forscher als am wenigsten zeitintensiv und von allen gibt es verschiedene Varianten. Keines der Tools sei für alles geeignet. „Ärzte sollten besprechen, was für ihr individuelles Umfeld am besten funktioniert, beispielsweise überlegen, ob sie selbst, ein Mitglied des Teams oder der Patient die erforderlichen Daten dort eingeben soll“, so Vadiveloo und Kollegen. In Deutschland sind entsprechende Tools aktuell noch nicht weit verbreitet, möglicherweise etablieren sie sich mit der geplanten Einführung der elektronischen Patientenakte 2021.

Literatur

Vadiveloo M et al. Rapid Diet Assessment Screening Tools for Cardiovascular Disease Risk Reduction Across Healthcare Settings: A Scientific Statement From the American Heart Association. Circulation 2020. https://doi.org/10.1161/HCQ.0000000000000094

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Bildnachweise
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Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
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