Nachrichten 14.07.2016

Wie lassen sich Herzpatienten vor schädlichen Arzneimittelwirkungen schützen?

Komorbiditäten und Polypharmazie sind bei Herzinsuffizienz die Regel. Das öffnet unerwünschten Arzneimittel(wechsel)wirkungen das Tor, die die Herzprobleme ungewollt verschlechtern. Die American Heart Association (AHA) widmet sich diesem Thema jetzt in einem umfangreichen Dossier.

Die Liste der Medikamente, die sich aus unterschiedlichen Gründen ungünstig auf eine Herzinsuffizienz auswirken können, ist lang. Kaum kürzer ist die Liste jener Medikamente, die mit typischen Herzinsuffizienzmedikamenten interagieren und dem Patienten auf diese Weise indirekt schaden. Manche dieser Medikamente sind gut bekannt. Dass regelmäßiger Konsum nicht steroidaler Antirheumatika sowohl mit einer höheren Rate an neu diagnostizierter Herzinsuffizienz als auch mit einer erhöhten Exazerbationsrate assoziiert ist, ist den meisten Kardiologen geläufig.

Auch wichtige, QT-Zeit-verlängernde Medikamente wie etwa Makrolide oder einige Gyrasehemmer sind in der Regel bekannt. Bei vielen anderen, seltener eingesetzten Medikamenten müssen aber selbst Pharmakologieprofis ohne Nachschlagewerk passen.

AHA-Statement gibt Orientierung

Mit einem 39seitigen „Scientific Statement“ greift die American Heart Association Ärzten, die Herzinsuffizienzpatienten versorgen, jetzt diesbezüglich unter die Arme. Von A wie Analgetika über N wie Neuropsychiatrische Medikamente bis U wie Urologika werden praktisch alle größeren Segmente der Pharmakotherapie durchgegangen.

Allein im Bereich der verschreibungspflichtigen Medikamente werde über 50 Substanzen detailliert besprochen, hinterlegt mit Studiendaten und Evidenzleveln zu direkter Kardiotoxizität, Verschlechterung einer myokardialen Dysfunktion und Häufigkeit von Dekompensationsepisoden. Neben der Auflistung nach Substanzklassen werden einige besonders relevante oder besonders häufige Probleme in der Polypharmazie bei Herzinsuffizienzpatienten gesondert diskutiert. So wird darauf hingewiesen, dass es einige sehr natriumhaltige Medikamente gibt, die Dekompensationen triggern bzw. die Genesung eines wegen einer Dekompensation stationär aufgenommenen Patienten verzögern können, darunter Alendronat, Metronidazol und auch Omeprazol.

Warnung von komplementärmedizinischen Produkten

Praxisrelevant ist auch das kurze Kapitel zur Komplementärmedizin. Die AHA rät kategorisch davon ab, komplementärmedizinische Produkte für das Management der Herzinsuffizienz einzusetzen. Dasselbe gilt für Nahrungsergänzungsmittel in der Sekundärprävention und hier insbesondere Vitamin E.

In Sachen Interaktionen wird insbesondere vor Johanniskraut, Grapefruitsaft und den bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzten Traubensilberkerzeprodukten gewarnt. Johanniskraut und Grapefruitsaft interagieren demnach mit praktisch allen bei Herzinsuffizienz eingesetzten Substanzklassen, bei der Traubensilberkerze sind es vor allem RAAS-Hemmstoffe, Betablocker und Amiodaron. Interaktionen mit Warfarin gebe es außer bei den genannten auch bei Ginseng- und Rotwurzel-Salbei-Präparaten. 

Literatur

Page RL et al. Drugs That May Cause or Exacerbate Heart Failure – A Scientific Statement of the American Heart Association. Circulation 2016; doi: 10.1161/CIR.0000000000000426

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Bildnachweise
DGK.Herztage 2020/© DGK
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ESC-Kongress (virtuell)/© [M] metamorworks / Getty Images / iStock | ESC
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen