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12.10.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

CT-Parameter

Risikoprädiktion: Plaquevolumen schlägt Kalk-Score

Autor:
Philipp Grätzel

Wer mit der CT-Bildgebung in der Primärprävention das koronare Risiko abschätzen will, bedient sich dazu seit Jahrzehnten des Kalk-Scores. Besser geeignet sind wahrscheinlich andere CT-Parameter, die aber noch nicht überall zur Verfügung stehen.

Zur Messung des Koronarkalks wird üblicherweise der im Jahr 1990 erstmals publizierte Agatston-Score verwendet. Es handelt sich um ein Produkt aus Plaquefläche und der auf einer Skala von eins bis vier quantifizierten Plaque-Dichte, wobei der entsprechende Wert für alle detektierten Plaqueflächen addiert wird.

Im Alltag bedeute die Berechnung des Agatston-Scores letztlich eine technisch zunehmend mühsame Rekonstruktion von CT-Parametern, die vor 25 Jahren aktuell waren, sagte Prof. Thomas Voigtländer vom Agaplesion Bethanien Krankenhaus Frankfurt.

Auch konzeptionell machte Voigtländer hinter den Kalk-Score ein gewisses Fragezeichen. Für das koronare Risiko ausschlaggebend sei weniger der Kalkgehalt einer Plaque als die Struktur der nicht verkalkten Anteile der Plaque. Die aber wird mit dem Agatston-Score nicht erfasst. Unstrittig ist, dass sich mit dem Kalk-Score das koronare 10-Jahres-Risiko abschätzen lässt. Die Frage ist aber, ob andere Parameter nicht besser sind.

Hochrisiko-Plaques: Auch in der CT prädiktiv

Hinweise dafür gibt es schon länger. Im Rahmen der im Jahr 2011 publizierten PROSPECT-Studie wurde gezeigt, dass die koronare Ereignisrate bei KHK-Patienten, die Fibroatherom-Läsionen mit dünner Plaque-Kappe aufwiesen, die mit Abstand meisten koronaren Ereignisse aufwiesen. In dieser Studie erfolgte die Darstellung der „Thin Cap“ allerdings invasiv mit dem intravaskulären Ultraschall.

Voigtländer berichtete in Berlin über eine aktuelle CT-Studie aus Japan und den USA, in der in einem Primärpräventionsszenario 3158 Probanden mittels CT-Angiographie untersucht wurden. Dabei wurden nicht nur Stenosen detektiert, sondern auch mehrere Marker für instabile Plaques gemessen, darunter Hinweise auf Plaque-Remodelling und eine Abschwächung der CT-Strahlung von weniger als 30 Hounsfield-Einheiten.

Im Ergebnis hatten Patienten mit zumindest einem Hochrisikomarker ein ACS-Risiko über einen Zeitraum von im Mittel 3,9 Jahren von 16,3%, gegenüber 2,8% in der Gruppe mit Niedrigrisiko-Plaques. 48 von insgesamt 88 Patienten mit ACS hatten Hochrisiko-Plaques. Wurden demgegenüber mindestens 70%ige Stenosen als Risikomarker definiert, lagen die entsprechenden Quoten nur bei 5,5% versus 2,1%, und nur 36 von 88 ACS-Patienten hatten zu Studienbeginn einen derartigen Befund.

Plaquevolumen: Auf 26 Monate besser als Agatston-Score

Neben der Plaque-Struktur ist auch das Plaque-Volumen ein interessanter neuer CT-Parameter. Hierzu gebe es auch schon Daten, die einen Vergleich zum Kalk-Score zuließen, so Voigtländer. So waren das totale Plaque-Volumen und das totale nicht-kalzifizierte Plaque-Volumen, nicht dagegen der Kalk-Score, in einer ebenfalls in der Primärprävention angesiedelten 26-Monate-Studie mit 1650 Probanden prädiktiv für das Auftreten eines ACS.

Insgesamt deute mittlerweile vieles darauf hin, dass insbesondere das Plaquevolumen besser zur CT-basierten koronaren Risikoeinschätzung geeignet sei als der Agatston-Score, so Voigtländer. Allerdings gebe es bisher nur Studien mit relativ kurzem Follow-up, und klinisch sei die Plaque-Volumen-Messung derzeit vielerorts noch nicht verfügbar. 

Literatur

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