Online-Artikel 02.12.2014

Sartan nicht besser als Betablocker bei Marfan-Syndrom

In einer großen Vergleichsstudie mit über 600 Patienten mit Marfan-Syndrom erfüllten sich die Erwartungen nicht, dass Losartan besser als Atenolol die progrediente Erweiterung der Aortenwurzel bremst.

Beim Marfan-Syndrom handelt es sich um eine autosomal dominant vererbte Erkrankung des Bindegewebes, deren Häufigkeit mit 1:5000 bis 1:10.000 angegeben wird. Aufgrund einer Mutation des Fibrillin-Genes FBN1 wird instabiles Bindegewebe aufgebaut. Die Erkrankung manifestiert sich am Skelettsystem, den Augen sowie der Lunge und dem Herzkreislaufsystem. Prognostisch bestimmend sind Herzklappenfehler, Aortenwurzelaneurysma und Aortendissektion.

Präklinische Daten sprachen für Nutzen einer AT1-Blockade

Es gibt Hinweise, dass Betablocker der Aortenerweiterung entgegen wirken können. Sie gelten daher als Standardtherapie. Später fand man, dass Losartan den TGF-ß-Signalweg inhibiert – einem Mechanismus, welchem für die Manifestation des Marfan-Syndroms eine entscheidende Bedeutung beigemessen wird. Ist Losartan gegenüber Betablockade die überlegene Therapie?
Dies herauszufinden war Aufgabe einer randomisierten Studie, in der die Behandlung von Losartan und Atenolol bei 608 kindlichen bis jugendlichen Patienten (Durchschnittsalter 11 Jahre) mit Marfan-Syndrom verglichen wurde. Die Teilnahmer waren 6 Monate bis 25 Jahre alt (im Schnitt 11 Jahre).
Sie wiesen bei Studienbeginn einen Aortenwurzel-Diameter-z-Score über 3 (im Schnitt 4) auf. Behandelt wurde drei Jahre lang. Die durchschnittlichen Medikamentendosierungen lagen für Atenolol bei 2,7 mg/kg/d und für Losartan bei 1,3 mg/kg/d. Primärer Endpunkt war die Erweiterung der Aorta.

Bessere Ergebnisse bei früher Behandlung?

Die Studienergebnisse erfüllten die Erwartungen nicht. Losartan war nicht in der Lage, die Erweiterung der Hauptschlagader wirkungsvoller zu unterbinden als Atenolol. In keinem Endpunkt deutete sich eine Überlegenheit des AT1-Blockers an.
Tendenziell schien die Atenolol-Behandlung wirksamer, und zwar nicht nur beim Aortenwurzel-Score, sondern auch bei klinischen Endpunkten. 2 (Losartan) vs. 0 Patienten erlitten Dissektionen, 10 vs. 18 Patienten mussten operiert werden, 1 vs. 0 Patient verstarb. Der Unterschied war allerdings nicht statistisch signifikant. Einziger Lichtblick für die Patienten: Beide Medikamente schienen vor allem dann effektiv, wenn die Behandlung früh begonnen wurde.

Literatur

Jahrestagung der American Heart Association (AHA) vom 15.–19.11.2014 in Chicago.
Lacro RV et al. Atenolol versus losartan in children and young adults with Marfan's syndrome. N Engl J Med. 2014;371(22):2061-71