Onlineartikel 24.05.2016

Schwer verkalkte Koronarläsionen – was ist die beste Strategie?

Schwer verkalkte Stenosen können eine Herausforderung für den interventionell tätigen Kardiologen darstellen. Wenn diese nicht mit einem Ballon passiert werden können oder keine adäquate Aufdehnung möglich ist, müssen alternative Strategien erwogen werden.

Eine von Dr. Kisaki Amemiya in Paris vorgestellte Studie evaluierte die Vorbereitung schwer kalzifizierter Läsionen mittels Rotablator (RA) oder Cutting-Ballon (CB) vor geplanter Implantation eines Drug-eluting Stent (DES). Im Zeitraum von April 2004 bis Dezember 2014 wurden hierzu 220 Patienten in drei Gruppen eingeschlossen.

Gruppe 1 wurde initial mit Rotablation, gefolgt von konventioneller Ballondilatation und DES behandelt. Gruppe 2 wurde mit Rotablation, Cutting-Ballon und DES behandelt. Gruppe 3 wurde primär mittels Cutting-Ballon und nachfolgender DES-Implantation ohne Rotablation interveniert.

Primäre Endpunkte waren eine erfolgreiche Behandlungsstrategie sowie der In-Stent lumen loss nach 8 Monaten. Sekundäre Endpunkte waren die akute Lumenzunahme sowie „Zielgefäß-Versagen“ (target vessel failure, TVF) nach 8 Monaten.

Alle unterschiedlichen Strategien waren erfolgreich. Der initial größte Lumengewinn wurde in der Gruppe 2 mit Cutting-Ballon und Rotablation erzielt (RA: 1,53 ± 0,04 mm vs. CB + RA: 1,88 ± 0,13 mm vs. CB: 1,71 ± 0,15 mm; p = 0,026). Gruppe 1 und 2 hatten einen vergleichbaren späten Lumenverlust (RA: 0,37 ± 0,05 mm vs. CB + RA: 0,39 ± 0,19 mm; p = 0,40). Darüber hinaus wiesen die mit Cutting-Ballon behandelten Patienten eine niedrige Rate an TVF auf (CB: 0 %, CB + RA: 0 % vs. RA: 4,1 %; p= 0,002).

Die Autoren folgerten hieraus, dass eine Rotablation mit konventioneller Ballondilatation einen späten Lumenverlust des DES nach 8 Monaten nicht reduziert. Daher propagierten sie, dass eine kombinierte Vorbehandlung schwer kalzifizierter Stenosen sowohl mit Rotablation als auch Cutting-Ballon das geeignete Verfahren vor DES-Implantation zu sein scheint.

Rotablation und Cutting-Ballon zeigten sich auch in dieser Studie als wichtige alternative Behandlungsstrategien zur Behandlung schwer kalzifizierter Läsionen. Anhand dieses kleinen Patientenkollektivs lässt sich aber ein optimales Vorgehen nicht ableiten. Weitere größere und randomisierte Studien sind hier erforderlich.


In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor. PD Dr. Thomas Lauer ist Internist, Kardiologe und Angiologe im CardioCentrum Düsseldorf.

Literatur

Amemiya K. The comparison of strategies to prepare severely calcified coronary lesions: rotational atherectomy vs. cutting balloon, Präsentation beim Kongress EuroPCR 2016 in Paris, 17.–20.05.2016

Bildnachweise
EuroPCR Expertenblickpunkt 2016/© kardiologie.org