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24.03.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Kritische Extremitäten-Ischämie

Schwere PAVK: Interventionelle Revaskularisation überholt Gefäßoperation

Autor:
Peter Overbeck

In der Behandlung von Patienten mit kritischer Extremitäten-Ischämie hat die katheterbasierte endovaskuläre Revaskularisation inzwischen die gefäßchirurgische Behandlung überholt. Parallel zur Zunahme der interventionellen Revaskularisation kam es zu Abnahmen der stationären Verweildauer, der Zahl großer Amputation und auch der Krankenhaus-Mortalität, wie Daten aus den USA belegen.

In Deutschland werden bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) jährlich schätzungsweise 40 000 Beinamputationen durchgeführt, die weitaus meisten davon bei Patienten mit Diabetes mellitus. Durch neue interventionelle und gefäßchirurgische Behandlungsverfahren, die heute eine Revaskularisation bis in die Fußarterien ermöglichen, könnten die meisten großen Amputationen (Major-Amputationen) vermieden werden.

Eine neue Studie gibt Auskunft darüber, wie sich die Behandlung speziell von Patienten mit kritischer Extremitäten-Ischämie (CLI: critical limb ischemia) mit diesen Methoden im vergangenen Jahrzehnt in den USA verändert hat. Untersucher um Dr. Mehdi Shishehbor von der Cleveland Clinic haben dafür zwischen 2003 und 2011 erhobene und in einem nationalen US-Register erfasste Daten von 642.433 stationär aufgenommenen Patienten mit CLI ausgewertet.

Trotz eine Zunahme stationärer Einweisungen wegen pAVK blieb die jährliche Rate an aufgenommenen Patienten mit CLI in dieser Zeit relativ konstant. Allerdings wuchs der Anteil der Patienten, die notfallmäßig eingeliefert wurden.

Krankenhaus-Mortalität nahm stetig ab

Im untersuchten Zeitraum nahm der Anteil der Patienten, die wegen CLI einer gefäßchirurgischen Behandlung zugeführt wurden, kontinuierlich ab - von 13,9% im Jahr 2003 auf 8,8% im Jahr 2011. Parallel dazu erhöhte sich progredient der Anteil der Patienten mit interventioneller Revaskularisation – von 5,1% auf 11,0%.

Diese Entwicklung war begleitet von einer stetigen relativen Abnahme der jährlichen Raten für die Krankenhaus-Mortalität um 37% (von 5,4% auf 3,4%). Die Raten für Major-Amputation waren zwischen 2003 und 2011 ebenfalls rückläufig (von 16,7% auf 10,8%). Auch verkürzte sich in dieser Zeit die durchschnittliche Dauer des stationären Aufenthalts (von 10,0 auf 8,4 Tage); allerdings resultierte daraus kein signifikanter Unterschied bei den angefallenen Kosten für Hospitalisierungen.

Im Vergleich zur gefäßchirurgischen Behandlung war die endovaskuläre Ravaskularisation mit einer niedrigeren Krankenhaus-Mortalität (2,34% vs. 2,73%), einer kürzeren Verweildauer im Krankenhaus (8,7 vs. 10,7 Tage) und niedrigeren Kosten für die Hospitalisierung (31.679 vs. 32.485 US-Dollar) assoziiert.

Die beobachteten günstigen Trends lassen sich natürlich nicht monokausal auf die Zunahme interventioneller Revaskularisationen zurückführen. Die Studie kann hier nur Assoziationen aufzeigen. Die Studienautoren schließen aber nicht aus, dass die zunehmende Verfügbarkeit interventioneller Behandlungsverfahren zumindest partiell etwa zur Abnahme von Major-Amputationen beigetragen hat. Auch eine aggressivere medikamentöse Therapie könnte einer der Gründe für die positive Entwicklung gewesen sein.

Literatur

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