Online-Artikel 10.10.2014

Single-Shot Applikation des Cryoballons der 2. Generation

Die Pulmonalvenenisolation (PVI) hat sich als Therapieverfahren bei medikamentenrefraktärem paroxysmalem und kurz-anhaltend persistierendem Vorhofflimmern etabliert und ist fest in den aktuellen Leitlinien verankert. Die 2. Generation des Cryoballons wurde in ihrer Wirksamkeit verbessert, sodass nun die Frage war, ob eine Anwendung ausreichend ist.

Hintergrund

Neben der PVI mit Hochfrequenzstrom hat sich die Applikation von Cryoenergie im klinischen Alltag bewährt. Die erste Generation des Cryoballons(Arctic Front,Medtronic) konnte eine moderate klinische Wirksamkeit (ca. 58% 1-Jahres-Rezidivfreiheit) bei akzeptablem Sicherheitsprofil zeigen [1]. Die zweite Generation weist einige Änderungen zur Verbesserungen der klinischen Wirksamkeit auf. So wurde die Kältemitteleinspritzung verbessert und damit eine höhere Kühlleistung der distalen Ballonhemisphäre erreicht. Hiermit konnte in bisherigen Single-Center-Studien eine ca. 80%ige 1-Jahres-Erfolgsrate erzielt werden [2, 3].

Bisher wird nach einer erfolgreichen PVI eine zusätzliche Kälteapplikation pro Pulmonalvene (Bonus-Freeze) durchgeführt [4]. Jede zusätzliche Applikation kann jedoch das Risiko von prozedurassoziierten Komplikationen (z.B. Phrenikusparesen und thermische Ösophagus-Läsionen) erhöhen. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, ob eine „Single-Shot“ Strategie, d.h. keine Bonus-Freeze Applikation nach erfolgreicher PVI zu vergleichbarer Effektivität und einem verbesserten Risikoprofil führt. Bisher gibt es in der aktuellen Literatur keine Daten zu dieser Anwendung des Cryoballon Advance.

Methoden

Patienten mit Medikamenten-refraktärem paroxysmalem oder kurz-anhaltend persistierendem Vorhofflimmern wurden einer PVI mittels des 28-mm-Cryoballon Advance zugeführt. Nach erfolgreicher PVI (Applikationsdauer 240 s) wurde keine zusätzliche Bonus-Freeze Applikation angewandt. Das klinische Follow-up erfolgte mittels 12-Kanal- und 24-Stunden-EKG nach 3, 6 und 12 Monaten. Als primärer Endpunkt wurde ein dokumentiertes Tachyarrhythmie-Rezidiv >30 s definiert. Sekundäre Endpunkte waren prozedurassoziierte Komplikationen wie Phrenikusparese, Apoplex, Perikarderguss, Perikardtamponade oder atrioösophageale Fistel.

Ergebnisse

Es wurden 45 Patienten (Alter 60 ± 11 Jahre, mittlerer LA (linker Vorhof)-Diameter: 42,1 ± 8,6 mm, n = 38/45 [84%] mit paroxysmalem Vorhofflimmern) eingeschlossen. Insgesamt konnten 177 Lungenvenen identifiziert und 176/177 (99%) erfolgreich isoliert werden. Prozedur- und Durchleuchtungszeit betrugen 113 ± 32 min und 19 ± 7 min. Eine Phrenikusparese trat bei 1/45 (2%) der Patienten auf. Bei 1/45 (2%) der Patienten trat eine periprozedurale Perikardtamponade auf. Diese konnte erfolgreich mittels Perikardpunktion behandelt werden. Weitere prozedurassoziierte Komplikationen traten nicht auf. Ein klinischen Follow-up konnte bei 44/45 (98%) der Patienten erhoben werden. Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 365 ± 64 (224–474) Tagen (inklusive einer dreimonatigen „Blanking-Periode“) zeigten 36/44 (82%) der Patienten einen stabilen Sinusrhythmus ohne dokumentierte und/oder symptomatische Vorhofflimmer-Episoden. In 5/8 (63%) Patienten mit einem Rezidiv wurde eine Hochfrequenzstrom-basierte zweite Prozedur durchgeführt.

Schlussfolgerungen

Die Single-Shot-Strategie mit dem 28-mm-Cryoballon Advance zur Therapie von paroxysmalem und kurz anhaltend persistierendem Vorhofflimmern zeigt eine klinische Erfolgsrate von 82% nach einem Jahr. Im Vergleich zu bisherigen Ergebnissen anderer Studien mit zusätzlichem Bonus-Freeze zeigt die Single-Shot-Strategie eine vergleichbare Effektivität (82% klinische Erfolgsrate nach einem Jahr) [3]. Unsere Studie gibt erste Hinweise, dass auf eine Bonus-Freeze-Applikation unter Verwendung des 28-mm-Cryoballon Advance verzichtet werden kann.

Literatur

  1. Packer DL et al. Cryoballoon ablation of pulmonary veins for paroxysmal atrial fibrillation: First results of the north american arctic front (stop af) pivotal trial. Journal of the American College of Cardiology. 2013;61:1713-1723
  2. Metzner A et al. Second-generation cryoballoon ablation for paroxysmal atrial fibrillation: A step forward? Europace : European pacing, arrhythmias, and cardiac electrophysiology : journal of the working groups on cardiac pacing, arrhythmias, and cardiac cellular electrophysiology of the European Society of Cardiology. 2014;16:621-622
  3. Metzner A et al. One-year clinical outcome after pulmonary vein isolation using the second-generation 28-mm cryoballoon. Circulation. Arrhythmia and electrophysiology. 2014;7:288-292
  4. Furnkranz A et al. Improved 1-year clinical success rate of pulmonary vein isolation with the second-generation cryoballoon in patients with paroxysmal atrial fibrillation. Journal of cardiovascular electrophysiology. 2014;25:840-844

Literatur

Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und Jahrestagung der Arbeitsgruppe Rhythmologie vom 9.-11. Oktober in Düsseldorf; Vortrag: Long-term clinical success with the second-generation 28mm cryoballoon using a single-shot strategy for pulmonary vein isolation (P127)