Nachrichten 03.07.2015

Softdrink-Steuer als KHK-Prophylaxe?

Cola ist das neue Rauchen. Englische Public Health-Experten haben berechnet, dass sich pro Jahr knapp 1.700 Schlaganfälle und neue koronare Herzerkrankungen verhindern lassen, wenn der Fiskus bei gezuckerten Getränken ordentlich zuschlägt.

Schon länger wird der übermäßige Konsum gezuckerter Getränke von Ernährungsmedizinern unter anderem mit Adipositas, Typ-2-Diabetes und koronarer Herzerkrankung in Beziehung gebracht. Das schreckt die Konsumenten freilich nicht. Beispiel England: Dort hat sich die Menge gezuckerter Drinks, die pro Woche konsumiert werden, zwischen 1975 und 2007 von 510 ml auf 1.140 ml pro Kopf mehr als verdoppelt.

Was Softdrinks angeblich anrichten

Was genau gezuckerte Getränke anrichten, haben Public Health-Experten der Tufts University in Boston jetzt berechnet. Sie behaupten auf Basis einer Befragung von über 600.000 Menschen, dass weltweit pro Jahr etwa 184.000 Todesfälle auf das Konto der Softdrinks gehen, davon 133.000 durch Diabetes, 45.000 durch kardiovaskuläre Erkrankungen und 6.450 durch Krebserkrankungen.

Was lässt sich dagegen tun? Aus England kommt zeitgleich mit den aktuellen Daten ein recht radikaler Vorschlag zur Optimierung der Volksgesundheit. Wissenschaftler der Universität Liverpool haben einmal ganz unverbindlich berechnet, was passieren würde, wenn eine 20-prozentige Extrasteuer auf alle mit kristallinem Zucker gesüßten Getränke erhoben würde.

Für so eine Modellrechnung, Gesundheitsökonomen sprechen von einer Monte-Carlo-Simulation, braucht es diverse Annahmen. Konkret wurde ein linearer Zusammenhang zwischen Menge des Konsums und adipositasassoziierten Erkrankungen unterstellt. Es wurde ferner unterstellt, dass nach dem Vorbild der Tabakbesteuerung der Konsum sinkt, wenn die Preise steigen, und dass der Zusammenhang zwischen Preis und Konsum in allen Altersstufen ähnlich ist.

Analyse ergibt: Knapp 5.000 Diabetes-Erkrankungen weniger

Nachdem das so umrissene Modell dann mit den englandspezifischen Daten zu Softdrinks und Krankheitsprävalenzen gefüttert wurde, war das Ergebnis rasch ermittelt: In England könnten durch eine 20%-Zusatzsteuer demnach pro Jahr bei einem mittleren Szenario 2.432 Diabetes-Erkrankungen, 1.657 Schlaganfälle und neue KHK-Fälle sowie 435 Krebserkrankungen verhindert werden. Im optimistischen Szenario, das eine stärkere Reduktion der Kalorien unterstellt, sind es sogar 4.864 Diabetes-Erkrankung bzw. 3.314 Schlaganfälle/KHK-Neuerkrankungen und 870 Krebserkrankungen.

Nun dürften die Effekte der Steuer auf die Erkrankungsraten je nach Wohlstandsniveau und Adipositasprävalenz unterschiedlich sein. Auch das wurde berücksichtigt. Am meisten Krankheiten verhindert die Steuer im Großraum Liverpool/Manchester/Sheffield/Leeds, danach folgt der südöstliche Teil des Großraums London.

Literatur

Singh GM et al. Estimated Global, Regional, and National Disease Burdens Related to Sugar-Sweetened Beverage Consumption in 2010. Circulation. 2015 Jun 29. doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.114.010.636

Collins B et al. Modelling the Health Impact of an English Sugary Drinks Duty at National and Local Levels. PLoS One. 2015 Jun 29. doi: 10.1371/journal.pone.0130770