Nachrichten 13.08.2015

Komplettrevaskularisation im Vorteil

Bei akutem ST-Hebungsinfarkt (STEMI) reduziert eine FFR-gesteuerte Komplettrevaskularisation im Vergleich zum alleinigen Stenting der „Culprit Lesion“ das Risiko künftiger Koronarinterventionen. Gesamtmortalität und Reinfarktrate unterscheiden sich aber nicht.

Die ursprünglich beim EuroPCR 2015 vorgestellte und jetzt im Lancet publizierte, offene, randomisierte Studie DANAMI 3 – PREMULTI fand zwischen März 2011 und Februar 2014 an zwei dänischen Universitätskliniken statt. 627 Patienten mit akutem STEMI nahmen teil. Bei 313 Patienten wurde in der primären PCI lediglich das Infarktgefäß wiedereröffnet bzw. mit einem Stent versehen. Die übrigen 314 Patienten erhielten noch während des infarktbedingten Krankenhausaufenthalts eine Komplettrevaskularisation, wobei die Entscheidung, welche Gefäße revaskularisiert wurden, von einer FFR-Messung abhängig gemacht wurde.

Primärer Endpunkt war ein Komposit aus Gesamtmortalität, Reinfarkten und ischämieassoziierten Revaskularisationen in nicht mit dem Infarkt assoziierten Blutgefäßen. Der mediane Follow-up-Zeitraum betrug 27 Monate. In der Gruppe der Patienten, bei denen lediglich die Culprit Lesion mit einem Stent versehen wurde, hatten 22% im Studienzeitraum ein Endpunktereignis. In der Gruppe mit Komplettrevaskularisation waren es nur 13% (HR 0,65; 95% CI 0,38-0,83, p=0,004).

Getrieben wurde dieser Vorteil in der Intention-to-treat-Auswertung eindeutig von den Reinterventionen: Die Reinterventionsrate war bei den Patienten mit Komplettrevaskularisation fast 70% geringer, während es weder bei der Gesamtmortalität noch bei der Reinfarktrate signifikante Unterschiede gab. Wenig überraschend: Bei Patienten mit koronarer 3-Gefäß-Erkrankung war der Vorteil der Komplettrevaskularisation ausgeprägter als bei Patienten mit 2- oder 1-Gefäß-Erkrankung.

Die Ergebnisse der Studie DANAMI 3 – PREMULTI stehen im Einklang mit zwei anderen randomisierten Studien aus der jüngeren Vergangenheit, der PRAMI-Studie und der CVLPRIT-Studie. In diesen Studien war die MACE-Rate bei Komplettrevaskularisation jeweils um mehr als die Hälfte geringer.

Die derzeit aktuellen europäischen Leitlinien empfehlen primär eine Revaskularisation der Culprit Lesion. Sie betonen allerdings, dass eine Komplettrevaskularisation bei Patienten mit Mehrgefäßerkrankung erwogen werden könne, sofern Tage oder Wochen nach der primären Intervention Ischämiesymptome auftreten.

Literatur

Engstrøm T et al. Complete revascularisation versus treatment of the culprit lesion only in patients with ST-segment elevation myocardial infarction and multivessel disease (DANAMI-3—PRIMULTI): an open-label, randomised controlled trial Lancet. 2015 Aug 4. doi: 10.1016/S0140-6736(15)60648-1

Live-Quiz EKG – melden Sie sich jetzt kostenlos an

Wie gut kennen Sie sich mit dem EKG aus? Und was machen Sie, wenn Sie einen auffälligen Befund vor sich haben? Testen Sie Ihr Wissen in unserem interaktiven Live-Quiz EKG am Mittwoch, 09.12.2020, um 17:00 Uhr auf Kardiologie.org. 
Dr. Martin Neef vom Universitätsklinikum Leipzig stellt Ihnen verschiedene EKG-Befunde vor. Stimmen Sie live für die richtige Antwort ab oder stellen Sie Ihre Fragen im Chat – alles natürlich anonym. Melden Sie sich jetzt kostenlos an, die Plätze sind begrenzt!

Highlights

DGK-Kongress to go

DGK.Online 2020 – der Online-Kongress der DGK: Damit Sie auch in Zeiten eingeschränkter Versammlungs- und Reiseaktivitäten immer auf dem aktuellen Stand sind. Sehen Sie Vorträge zu aktuellen Themen von führenden Experten - wann und wo immer Sie wollen.  

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Expertenstreit: Ist positive Fischöl-Studie in Wirklichkeit „falsch positiv“?

Die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren (“Fischöl”) hat als kardiovaskuläre Präventionsstrategie in Studien erneut enttäuscht. Daran hat sich eine Kontroverse über eine Ausnahme-Studie entzündet, der zufolge diese Strategie von hohem kardioprotektiven Nutzen ist.

Warum immer mehr Menschen über Statin-Nebenwirkungen berichten

Berichte über Nebenwirkungen im Zusammenhang mit einer Statintherapie haben in den USA in den letzten 10 Jahren deutlich zugenommen. Zumeist handelt es sich um subjektive Beschwerden – was Ärzten in ihrem Alltag bewusst sein sollte.

Neuer Lipidsenker wirkt, wenn nichts mehr zu wirken scheint

Was tun, wenn das LDL-Cholesterin selbst unter PCSK9-Inhibitoren nicht den Zielwert erreicht? Ein neuer Lipidsenker könnte bei einer solchen refraktären Hypercholesterinämie womöglich die letzte Option sein.   

Aus der Kardiothek

Neue Vorhofflimmern-Leitlinie und ihre Implikationen für die Praxis

Erst kürzlich sind die ESC-Leitlinien zum Management von Vorhofflimmern aktualisiert worden. Prof. Christian Meyer vom Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf gibt in diesem Webinar einen kurzen Überblick über die wichtigsten Aspekte.

Zepter und Krone – oder was sehen Sie auf dem Bild?

Kardiale Computertomographie, 3-dimensionale Rekonstruktion im „Metallfenster“. Was ist zu sehen?

Kardio-MRT bei 70-Jährigem – was hat der Patient?

Kardio-MRT bei 70-jährigem Patienten mit Darstellung einer kurzen Achse im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

Bildnachweise
EKG-Quiz/© [M] Syda Productions / stock.adobe.com
DGK.Online 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Webinar Prof. Christian Meyer/© Springer Medizin Verlag GmbH
Kardiale Computertomographie/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen