Nachrichten 12.08.2015

Stents verbessern auch die Mikrozirkulation

Durch eine Stentimplantation verbessert sich beim akuten ST-Hebungsinfarkt in der Regel auch der mikrovaskuläre Widerstandsindex. Es gibt aber Subgruppen, bei denen die Mikrozirkulation schlecht bleibt oder sogar schlechter wird.

Kardiologen am Oxford Heart Centre haben in einer monozentrischen Studie bei 85 Patienten mit akutem ST-Hebungsinfarkt (STEMI) jeweils unmittelbar vor und nach der Stentimplantation mithilfe eines Druckdrahtes die fraktionelle und die koronare Flussreserve (FFR, CFR) sowie den Widerstandsindex der kleinen Gefäße (Index of Microcirculatory Resistance, IMR) bestimmt. Untersucht wurde, wie sich die Stentimplantation auf diese Parameter auswirkt.

Bei den koronaren Funktionsparametern erbrachte die Studie die zu erwartenden Ergebnisse: Die FFR verbesserte sich hoch signifikant von 0,74 auf 0,94, und die CFR stieg ebenfalls hoch signifikant von 1,20 auf 1,35. Auch auf mikrovaskulärer Ebene gab es im Mittel eine klare Verbesserung: Der IMR fiel von 49,7 auf 29,2 Punkte. Das war auch dann noch statistisch signifikant, wenn für den koronaren Wedge-Druck korrigiert wurde. Aber: Bei immerhin jedem dritten Patienten (28 von 85) war der IMR auch nach der Stentimplantation noch pathologisch, definiert als ein Wert größer 40.

15 dieser 28 Patienten mit nach Stentimplantation noch pathologischen IMR wurden von den Studienautoren als partielle Responder klassifiziert: Ihr IMR fiel ab, normalisierte sich aber nicht. Die anderen 13 dagegen waren komplette Non-Responder: Bei ihnen stieg der IMR nach Stentimplantation an, und zwar signifikant von im Mittel 45,7 auf 129,3 Punkte.

In der Detailauswertung waren Patienten, die einen hohen IMR vor der Prozedur aufwiesen und Patienten mit großflächiger Ischämie waren jene, bei denen eher mit einem Abfall des IMR nach Stentimplantation gerechnet werden konnte. Umgekehrt waren eine starke Thrombosierung und die Zahl der implantierten Stents Prädiktoren für einen potenziell problematischen Anstieg des IMR. Die Art der Gerinnungshemmung sowie die Thrombusaspiration hatten dagegen keinen Einfluss auf die Veränderung des IMR.

Insgesamt zeigt die Studie nach Auffassung der Autoren, dass bei einem akuten STEMI durch die Stentimplantation in aller Regel auch das mikrovaskuläre Milieu profitiert. Dies ist anders als bei stabiler Angina pectoris, wo bisher kein enger Zusammenhang zwischen makrovaskulärem Stenting und mikrovaskulärer Situation demonstriert werden konnte.

Literatur

De Maria GL. How does coronary stent implantation impact on the status of the microcirculation during primary percutaneous coronary intervention in patients with ST-elevation myocardial infarction? Eur Heart J. 2015 Aug 7. doi: 10.1093/eurheartj/ehv353

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Bildnachweise
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Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
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