Nachrichten 31.07.2019

Akupunktur reduziert Anfallshäufigkeit bei Angina pectoris

Akupunktur kann die Symptome von Patienten mit chronisch stabiler Angina pectoris lindern. Darauf weist eine neue randomisiert-kontrollierte Studie aus China hin.

Nach dem Verständnis der Traditionellen Chinesischen Medizin ist der Körper von Leitbahnen durchzogen, sogenannten Meridianen. In ihnen fließt die Lebensenergie Qi. Auf den Meridianen liegen Akupunkturpunkte, über die man das Qi beeinflussen kann. Jeder Meridian ist einem Organsystem zugeordnet, beispielsweise Pericardmeridian, Herzmeridian oder Lungenmeridian.

Forscher aus China untersuchten in einer multizentrischen Studie, ob Akupunktur Patienten mit chronisch stabiler Angina pectoris helfen kann. Das Ergebnis: Wurde sie dreimal wöchentlich am erkrankten Meridian angewandt, reduzierte das die Angina-Anfälle deutlich. Diese Therapie war Akupunktur an nicht erkrankten Meridianen, Scheinakupunktur und gar keiner Akupunktur überlegen.

Randomisierte Studie mit vier Vergleichsgruppen

„Akupunktur verringerte nicht nur die Frequenz der Angina-Anfälle, sondern auch die Schmerzintensität“, so der leitende Autor Dr. Farong Liang von der University of Traditional Chinese Medicine in Chengdu. „Unsere Untersuchung ist die größte multizentrische klinische Studie, die die vorteilhafte Wirkung von Akupunktur als Zusatzbehandlung für Angina pectoris innerhalb von 16 Wochen belegt.“

Für die Studie wurden 404 Patienten mit Angina pectoris, die mindestens zweimal wöchentlich Anfälle erlitten, an fünf unterschiedlichen chinesischen Zentren behandelt. Alle erhielten bereits konventionelle Therapien, hatten jedoch weiterhin Angina-Anfälle. Sie wurden zufällig einer der vier Gruppen zugeteilt: Akupunkturbehandlung am erkrankten Meridian, Akupunktur an einem nicht betroffenen Meridian, Scheinakupunktur oder gar keine Akupunktur. Die Teilnehmer der ersten drei Gruppen bekamen vier Wochen lang dreimal wöchentlich Akupunkturbehandlungen und Tagebücher, um Angina-Anfälle zu dokumentieren.

Signifikante Verbesserung durch Akupunktur am erkrankten Meridian

Die Forscher um Liang wollten wissen, inwiefern sich durch Akupunktur die Häufigkeit der Angina-Anfälle veränderte. Dabei stellten sie nach 16 Wochen signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen fest: Bei Akupunktur am erkrankten Meridian erlitten die Patienten durchschnittlich 4,07 Anfälle weniger als bei Akupunktur an einem anderen Meridian, 5,18 Anfälle weniger als bei Scheinakupunktur und 5,63 Anfälle weniger als ohne Akupunktur. Zudem verbesserte sich die 6-Minuten-Gehstrecke der Patienten und sie hatten nach der Behandlung weniger Angstzustände und Depressionen.

Der Grund für die positiven Effekte ist nach Ansicht der Autoren, dass die Akupunktur des erkrankten Meridians das Gleichgewicht zwischen Vagusnerv und Sympathikus verbessert. Einschränkungen der Studie waren die geringe Größe und auch, dass noch wenig darüber bekannt ist, wie lange die Wirkung der Behandlung anhält.

Literatur

Liang F et al. Acupuncture as Adjunctive Therapy for Chronic Stable Angina. A Randomized Clinical Trial. JAMA Internal Medicine 2019. https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2019.2407


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