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02.09.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Perioperative Kurzzeittherapie

Statine: Kein Schutzengel bei Herzoperationen

Autor:
Peter Overbeck

Eine perioperative Kurzzeittherapie mit einem hochdosierten Statin ist definitiv keine Option, die im Falle einer Herzoperation vor postoperativen Komplikationen schützt. Dies ist jetzt durch eine große Studie klargestellt worden. Kleinere Studien hatten zuvor - offenbar zu Unrecht - eine protektive Wirkung suggeriert.


Nach herzchirurgischen Eingriffen  wie koronare Bypass-Operation sind Komplikationen wie Vorhofflimmern keine  Seltenheit. Postoperatives Vorhofflimmern  erhöht nicht nur die Behandlungskosten, sondern verdoppelt auch  das Risiko für Schlaganfall und Tod.

Da entzündliche Prozesse  an der Pathogenese dieser Komplikationen beteiligt sind, wurden unter anderem Statine – sie besitzen auch antientzündliche  Wirkeigenschaften -  als Option für die Prävention solcher  Ereignisse in Betracht gezogen.

Heterogene Studiendaten

Kleinere Studien mit zum Teil spektakulären Ergebnissen  schienen für die Tauglichkeit der Statin-Behandlung zur postoperativen Prävention zu sprechen. Andere Studien wiederum konnten dies nicht bestätigen.

Autoren einer Metaanalyse von 14 Studien mit rund 1300 Patienten kamen  unter dem Strich zu einer positiven Bilanz. Danach reduzierte eine perioperative Prophylaxe  mit Statinen die Rate postoperativer Komplikationen um 50 Prozent. In den Leitlinien wurden Statine daraufhin als in Betracht zu ziehende Option zur Verhinderung von Vorhofflimmern empfohlen (Klasse-IIa-Empfehlung).

Zeit für eine glaubhafte Studie

Allerdings war nicht zu übersehen, dass viele dieser Studien in methodischer Hinsicht  Schwachpunkte aufwiesen.  Klar war, dass nur eine große prospektive randomisierte Studie die unbefriedigende Datenlage verbessert konnte.

Eine solche Studie mit dem Akronym STICS (Statin Therapy in Cardiac Surgery) ist von einer internationalen Forschergruppe um Professor Barbara Casadei aus Oxford vor einiger Zeit auf den Weg gebracht worden.  Ihre jetzt von Casadei bei ESC-Kongress  präsentierten Ergebnisse sprechen  klar gegen den Nutzen  einer intensiven  perioperativen Statintherapie.

Mehr Teilnehmer als alle bisherigen Studien zusammen

In die placebokontrollierte Studie sind 1922 Patienten mit einer geplanten Herzoperation aufgenommen worden. STICS  hat damit weitaus mehr Teilnehmer als alle bisherigen Studien zusammengenommen.

Bei  den auf zwei Studienarme  randomisierten Patienten ist acht Tage vor der Operation eine Therapie mit Rosuvastatin (20 mg/Tag) oder Placebo eingeleitet  und bis zum fünften postoperativen Tag fortgeführt worden.

Erhoffte Wirkung blieb aus

Die erhoffte Wirkung stellte sich nicht ein: Mit 21 Prozent (Rosuvastatin) und 20 Prozent (Placebo) war die Rate für postoperativ aufgetretenes Vorhofflimmern (primärer Endpunkt) in beiden Gruppen nahezu gleich. Auch boten die gemessenen Spiegel der kardialen Biomarkers Troponin I keine Anhaltspunkte dafür, dass Rosuvastatin vor einer Schädigung des Myokards bei der Operation schützt.

Für Casadei  ist angesichts  dieser  Ergebnissen das Kapitel der Statintherapie zur Verhinderung postoperativer Komplikationen ein für alle Mal beendet. Die wohlwollende  Berücksichtigung dieser Therapie in den Leitlinien müsse nun revidiert werden.

Literatur
Bildnachweise