Nachrichten 22.05.2020

Schützt Kaffee vor Arrhythmien?

Ein moderater täglicher Kaffeekonsum hat einer britischen Studie zufolge keine nachteiligen Auswirkungen auf die Entwicklung von Herzrhythmusstörungen. Im Gegenteil, er scheint sogar eine leicht protektive Wirkung zu haben.

In einer prospektiven Studie mit fast 300.000 Teilnehmern ging der tägliche Konsum einiger Tassen Kaffee signifikant mit einem leicht verringerten Risiko für Arrhythmien einher. Die Publikation wurde bei den Scientific Sessions der Heart Rhythm Society 2020 präsentiert, die aufgrund der Corona-Pandemie digital stattfanden.

Die Forscher um Dr. Eon-Jeong Kim von der Universität Kalifornien in San Francisco fanden heraus, dass Menschen, die bis zu sechs Tassen Kaffee täglich tranken, davon profitierten: Im Vergleich zu denjenigen, die auf Kaffee verzichteten, war jede zusätzliche Tasse mit einer im Schnitt signifikant um 3% verringerten Inzidenz für Herzrhythmusstörungen assoziiert. „Die Hauptbotschaft unserer Studie ist, dass es bezüglich des Arrhythmierisikos nicht schädlich scheint, weiterhin Kaffee in moderaten Mengen zu trinken“, so Kim.

Mehr als 13.000 arrhythmische Ereignisse

Schon frühere Studien hatten darauf hingewiesen, dass einige Tassen Kaffee pro Tag das Risiko für Vorhofflimmern verringern können, auch wenn darin von höheren Dosen Koffein abgeraten wird. In der aktuellen Untersuchung wurden fast 300.000 in der britischen Biobank registrierte Teilnehmer über durchschnittlich fünf Jahre beobachtet. In dieser Zeit traten bei ihnen mehr als 13.000 arrhythmische Ereignisse auf. Dazu zählten fast 5.000 Episoden von Vorhofflimmern oder -flattern, etwa 800 supraventrikuläre Tachykardien, fast 400 ventrikuläre Tachykardien und viele weniger klinisch relevante Unregelmäßigkeiten.

Das Forscherteam hatte vollständige Daten zum Kaffeekonsum der Teilnehmer und untersuchte mehr als 20 demografische, klinische und Lebensstilfaktoren. Sie berücksichtigten auch, wie viel Tee die Probanden tranken, jedoch nicht den Konsum anderer koffeinhaltiger Getränke. Personen, die zu Studienbeginn bereits Arrhythmien aufwiesen, wurden ausgeschlossen.

Kaffee als Entzündungshemmer?

Eine Stärke der Studie war die große Anzahl der Teilnehmer, eine Einschränkung dagegen, dass die in der Biobank registrierten Teilnehmer Freiwillige waren, was zu einer Auswahlverzerrung geführt haben könnte.

Trotzdem stärken die Ergebnisse bereits vorhandene Daten. „Mehrere Studien haben gezeigt, dass Koffein und möglicherweise andere Bestandteile von Kaffee antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften haben. Diese Untersuchungen weisen auf einen potenziellen Nutzen von Kaffee bei mehreren chronischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, bestimmten Arten von Krebs sowie für die Gesamtmortalität hin“, resümierte Kim.

Literatur

Kim E et al. Vorgestellt bei den Scientific Sessions der Heart Rhythm Society (HRS) 2020. Poster D-PO01-032

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