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09.09.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Myokardinfarkt

TASTE nach einem Jahr: Thrombusaspiration bleibt ohne Nutzen

Autor:
Peter Overbeck

Routinemäßiges Absaugen des Blutgerinnsels (Thrombusaspiration) aus der Infarktarterie mittels Herzkatheter trägt nicht dazu bei, die Prognose von Patienten mit akutem ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) zu verbessern. Beim ESC-Kongress vorgestellte 1-Jahres-Daten der TASTE-Studie sprechen erneut gegen einen klinischen Nutzen dieser häufig angewendeten Methode.

Die europäischen Leitlinien zur Behandlung des ST-Hebungs-Myokardinfarkts empfehlen, dass im Fall einer primären perkutanen Koronarintervention (PPCI) vor allem bei hoher Thrombuslast auch die kathetergestützte Thrombusaspiration in Betracht gezogen werden soll (Empfehlungsgrad IIa, Evidenzgrad B).

Methode in der Praxis häufig genutzt

Die Thrombusaspiration wird als einfache und relativ kostengünstige Methode zur Verringerung der Thrombusmasse im Infarktgefäß in der Praxis häufig genutzt. Auf diese Weise soll das Risiko distaler Embolisationen von Plaque- und Thrombusmaterial, die wiederum Störungen der myokardialen Perfusion zur Folge haben können, verringert werden.

Tatsächlich konnte in der TAPAS-Studie eine beeindruckende Verbesserung der Myokardperfusion durch Thrombusaspiration nachgewiesen werden. Dadurch bestärkte Hoffnungen auf eine Prognoseverbesserung haben jedoch durch die große TASTE-Studie einen schweren Dämpfer erhalten.

Kein Einfluss auf die Mortalität nach 30 Tagen

Nach ihren beim ESC-Kongress 2013 in Amsterdam vorgestellten Ergebnissen war die Gesamtsterberate zum Zeitpunkt 30 Tage nach Infarkt in den Gruppen mit alleiniger PCI oder PCI plus Thrombusabsaugung nahezu gleich (3,0 versus 2,8 Prozent).

An der größtenteils in Schweden durchgeführten Studie haben 7244 Patienten mit akutem Myokardinfarkt (STEMI) teilgenommen.

Experten schlossen allerdings nicht aus, dass sich auf längere Sicht doch noch ein Vorteil der Thrombusaspiration zeigen könnte. Die aktuell beim ESC-Kongress in Barcelona präsentierten 1-Jahres-Ergebnisse der TASTE-Studie machen jedoch auch diese Hoffnung zunichte.

Auch nach einem Jahr kein relevanter Unterschied

Innerhalb eines Jahres nach dem Herzinfarkt waren 5,3 Prozent (mit Thrombusaspiration) und 5,6 Prozent (ohne Thrombusaspiration) aller Patienten gestorben. Auch dieser Unterschied bei der Gesamtmortalität ist nicht signifikant.

Die Rate der Wiedereinweisungen aufgrund von Re-Infarkten war mit jeweils 2,7 Prozent in beiden Gruppen identisch.

Noch gibt es Hoffnung

Die Hoffnung, durch eine katheterbasierte Reduktion der Thrombusmasse kardiovaskuläre Ereignisse verhindern zu können, muss deshalb aber noch nicht endgültig begraben werden. Der Grund: In TASTE war die reale Ereignisrate deutlich niedriger als die erwartete Rate. Trotz ihrer beachtlichen Größe ist die Studie deshalb aus statistischer Sicht immer noch zu klein, um eine zumindest moderate Reduktion der Mortalität zuverlässig ausschließen zu können.

Wer will, darf nun auf den positiven Ausgang der noch weitaus größeren TOTAL-Studie hoffen. Sie dürfte mit mehr als 10 000 Studienteilnehmern die statistischen Anforderungen an einen zuverlässigen Nachweis oder Ausschluss der Prognoseverbesserung durch Thrombusaspiration bei STEMI-Patienten erfüllen. Ergebnisse werden für 2015 erwartet.

Literatur

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