Nachrichten 07.04.2022

Transkatheter-Aortenklappen schneiden bei der Haltbarkeit gut ab

Von degenerativen Veränderungen waren Transkatheter-Aortenklappen einer neuen Analyse gepoolter Studiendaten zufolge nicht häufiger betroffen als chirurgisch implantierte Aortenklappen-Bioprothesen. Eher schon zeigten sie nach fünf Jahren eine bessere Haltbarkeit.

Die schonendere Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) kommt inzwischen auch bei Patienten mit schwerer Aortenstenose und relativ niedrigem Operationsrisiko zur Anwendung. Da diese Patienten häufig jünger sind, ist es umso dringender, Aufschluss über die langfristige Haltbarkeit von TAVI-Klappensystemen zu gewinnen.

Dazu sind jetzt beim ACC-Kongress 2022 Ergebnisse der bislang umfangreichsten Analyse, die auf Daten aus randomisierten Studien zum Vergleich von interventionellem und chirurgischem Aortenklappenersatz basiert, vorgestellt worden.

Analysiert wurden gepoolte Patientendaten aus zwei Vergleichsstudien, in denen zum einen die Überlegenheit der TAVI bei Patienten mit sehr hohem Operationsrisiko (CoreValve US Pivotal Trial), zum anderen deren Nichtunterlegenheit im Vergleich zum chirurgischen Aortenklappenersatz bei Patienten mit intermediärem Risiko (SURTAVI-Studie) nachgewiesen wurden. Dabei waren insgesamt 1.128 Patienten einer TAVI (implantiert wurden selbstexpandierende CoreValve- oder CoreValve Evolut-Aortenklappen) und 971 Patienten einer Klappenoperation unterzogen worden.

Klappendegeneration seltener nach TAVI

Der Herzchirurg Prof. Michael J. Reardon vom Houston Methodist DeBakey Heart and Vascular Center hat die Ergebnisse beim ACC-Kongress 2022 präsentiert. Herzchirurgen neigten zu der Befürchtung, dass per TAVI eingesetzte Aortenklappen-Bioprothesen bei jüngeren Low-Risk-Patienten schneller verschleißen könnten als chirurgisch implantierte Bioprothesen, so Reardon: „Die Ergebnisse dieser Studie legen genau das Gegenteil nahe – dass nämlich per TAVI eingesetzte Klappenprothesen nach fünf Jahren weniger strukturelle Degenerationen aufwiesen als chirurgisch eingesetzte“.

Primärer Endpunkt der Studie war eine durch Doppler-Echokardiografie verifizierte strukturelle Klappendegeneration (structural valve deterioration, SVD). Kriterien dafür waren ein Anstieg des mittleren Druckgradienten um 10 mmHg oder mehr und ein mittlerer Gradient von mindestens 20 mmHg oder das erste Auftreten bzw. die Verschlechterung einer intraprothetischen Aorteninsuffizienz.

Eine entsprechende Degeneration der implantierten Klappenprothese wurde nach fünf Jahren bei 2,57% der Patienten mit TAVI und bei 4,38% der klappenchirurgisch behandelten Patienten festgestellt. Besonders deutlich war der Unterschied in der Subgruppe der Patienten mit relativ kleinem Anulus aortae (≤23 mm), in der die SVD-Raten bei 5,86% (Klappenoperation) versus 1,39% (TAVI) lagen (p=0,049). Zumindest einen Trend in die gleiche Richtung gab es aber auch bei Patienten mit größeren Anuli (>23 mm); bei ihnen betrugen die entsprechenden SVD-Raten 3,96% versus 2,48% (p=0,067).

Klappendegeneration mit erhöhter Mortalität assoziiert

Eine innerhalb von fünf Jahren diagnostizierte Klappendegeneration ging mit einer deutlich erhöhten Gesamtmortalität und kardiovaskulären Mortalität einher – unabhängig davon, ob die Klappenprothesen katheterbasiert oder chirurgisch implantiert worden waren.

Fünf Jahre sind für die Beurteilung der Haltbarkeit von prothetischen Herzklappen allerdings immer noch eine relativ kurze Zeit. Besser wird die diesbezügliche Evidenz sein, wenn das derzeit laufende 10-Jahre-Follow-up sowohl der CoreValve US Pivotal- als auch der SURTAVI-Studie abgeschlossen sein wird.

Literatur

Reardon M: Five-year Incidence, Timing And Predictors Of Hemodynamic Valve Deterioration Of Transcatheter And Surgical Aortic Bioprostheses: Insights From The Corevalve US Pivotal And SURTAVI Trials. Late-Breaking Clinical Trials IV, American College of Cardiology 2022 Scientific Session, 4. April in Washington

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