Nachrichten 14.06.2022

Bergen subklinische Segelthrombosen nach TAVI ein Risiko?

Subklinische thrombotische Auflagerungen nach kathetergestützter Aortenklappenimplantation gehen zumindest mittelfristig mit keiner Zunahme von Mortalität und zerebrovaskulären Ereignissen einher, zeigt eine Studie von Kardiologen aus Freiburg-Bad Krozingen.

Asymptomatische Segelthrombosen, die als Segelverdickung mit Kontraständerung (sog. hypoattenuated leaflet thickening, HALT) in der Multidetektor-Computertomografie charakterisiert werden, können im Prinzip bei jeder Aortenklappen-Bioprothese auftreten. Ihre Häufigkeit nach kathetergestützter Aortenklappenimplantation (TAVI) wird auf 10% bis 20% geschätzt.

Vor allem über mögliche langfristige Auswirkungen solcher Segelauflagerungen ist bislang wenig bekannt. Eine Gruppe von Kardiologen um Dr. Manuel Hein vom Universitäts-Herzzentrum Freiburg-Bad Krozingen präsentiert dazu nun eine prospektive Registeranalyse, der eine Beobachtungsdauer von etwas mehr als drei Jahren nach erfolgter TAVI zugrunde liegt.

In diesem Zeitraum waren früh nach TAVI-Prozeduren festgestellte Segelthrombosen mit keiner Zunahme von Mortalität oder zerebrovaskulären Ereignissen assoziiert, so das Hauptergebnis der Analyse. Allerdings war ein Zusammenhang zwischen HALT-Nachweis und symptomatischen Verschlechterungen der hämodynamischen Klappenfunktion in den ersten drei Jahren erkennbar.

Kein signifikanter Unterschied bei der Mortalität nach drei Jahren

Die Gruppe um Hein hat für ihre Single-Center-Studie Daten von 804 Patientinnen und Patienten herangezogen, die zwischen Mai 2012 und Dezember 2017 wegen einer Aortenstenose einer TAVI-Prozedur unterzogen worden waren. Eine bei ihnen im Median fünf Tage nach TAVI vorgenommene CT-Angiografie ergab bei 115 Patienten (16%) einen positiven HALT-Befund.

Im analysierten Follow-up-Zeitraum (im Median 3,25 Jahre) bestand im Hinblick auf die Überlebensrate kein signifikanter Unterschied zwischen Patienten mit und ohne frühem HALT-Nachweis (70,1% vs. 74,0%, p = 0,597). Auch die 3-Jahres-Raten für die kardiovaskuläre Mortalität waren in beiden Gruppen mit 13,2% respektive 11,3% nicht signifikant unterschiedlich (p = 0,733), ebenso die entsprechenden Raten für zerebrovaskuläre Ereignisse (2,0% vs. 4,4%; p = 0,246).

Hämodynamische Klappenverschlechterungen nach HALT häufiger beobachtet

Einen Unterschied gab es aber: Die Rate an symptomatischen hämodynamischen Klappenverschlechterungen (Anstieg des Druckgradienten um mindestens 10 mmHg oder ein mittlerer Gradient ≥20 mm mit neu aufgetretenen Symptomen wie Dyspnoe) war in der Gruppe mit frühem HALT-Nachweis signifikant höher als in der Gruppe ohne entsprechenden Befund (9,4% vs. 1,5%; p < 0,001).

Im Hinblick auf Mortalität und zerebrovaskuläre Ereignisse bestätige die Studie „einen benignen klinischen Verlauf“ nach per HALT-Nachweis dokumentierten Segelthrombosen, so die Studienautoren. Im Hinblick auf die Langzeithaltbarkeit von TAVI-Bioprothesen könnten solche Segelauflagerungen dagegen zumindest bei einigen Patienten von klinischer Bedeutung sein. Um den möglichen Einfluss von HALT auf die Haltbarkeit von Aortenklappen-Bioprothesen genauer klären zu können, seien größere Studien mit noch längerer Follow-up-Dauer wünschenswert.

Literatur

Hein M. et al. Long-Term Follow-Up of Hypoattenuated Leaflet Thickening After Transcatheter Aortic Valve Replacement. J Am Coll Cardiol Intv. 2022,15(11):1113–22.

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