Onlineartikel 30.09.2016

TAVI: Frühe Klappenveränderung nicht relevant

Aktuelle Daten der PARTNER-II-Studie zeigen, dass die TAVI-Therapie bei intermediärem OP-Risiko mit der konventionellen chirurgischen Behandlung vergleichbar ist [1].

Einige Berichte über frühe Veränderungen an Transkatheter-Herzklappen haben zu einer Verunsicherung bei Implanteuren, Zuweisern und Patienten geführt. Erstmalig zeigte 2015 eine systematische Analyse, dass bei Transkatheter-Herzklappen unterschiedlicher Hersteller, Veränderungen an den Klappensegeln zu beobachten sind [2]. Diese Veränderungen waren vornehmlich Einschränkungen in der Segelbeweglichkeit z. B. durch Thrombosen und traten überwiegend bei Patienten auf, die nicht antikoaguliert wurden. Interessanterweise konnten vergleichbare Veränderungen auch an chirurgischen Bioprothesen beobachtet werden.

Auf dem diesjährigen ACC-Kongress wurden nun Daten des STS/ACC-TVT-Registers vorgestellt, die retrospektiv die Inzidenz früher hämodynamischer Klappenveränderungen (valve hemodynamic deterioration, VHD) untersuchten [3]. VHD war dabei definiert als eine Zunahme des echokardiografisch bestimmten transvalvulären Gradienten ≥10 mmHg im Vergleich zum unmittelbar postinterventionell bestimmten Gradienten. Es gab zwei Kohorten, Kohorte 1 bestand aus 10.099 Patienten und wurde bis Tag 30 post-TAVI nachverfolgt; Kohorte 2 bestand aus 3.175 Patienten und wurde bis zu einem Jahr nachbeobachtet. Im Zeitraum 0–30 Tage bzw. 30 Tage bis 1 Jahr betrug die VHD-Inzidenz 2,1 bzw. 2,5 Prozent.

Keine Unterschiede im klinischen Outcome

Das klinische Outcome der Patienten (Mortalität, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Reintervention) unterschied sich in beiden Kohorten nicht zwischen Patienten mit einem Anstieg des Gradienten ≥10 mmHg und denen mit konstanten hämodynamischen Werten. Relevante Prädiktoren für VHD waren der Body Mass-Index, Valve-in-Valve-Prozeduren und die Implantation von 23 mm TAVI-Klappen.

Fazit

Frühe Veränderungen an den Klappensegeln im Sinne eines Anstiegs des Gradienten um ≥10 mmHg treten im Vergleich zum postinterventionellem Gradienten eher selten auf. Es konnte keine Assoziation mit klinischen Ereignissen festgestellt werden. Frühe Klappenveränderungen sind möglicherweise auf thrombotische Auflagerungen zurückzuführen und können in einem Großteil der Fälle mittels oraler Antikoagulation behoben werden, sie treten bei chirurgischen und bei Transkatheter-Klappen auf [4]. Gegenwärtig sollte die Klappenfunktionalität innerhalb des ersten Jahres engmaschig mit echokardiografischen Kontrollen überwacht werden. Im Einzelfall scheinen 4D-CT/TEE-Untersuchungen hilfreich, um die Genese möglicher Klappenveränderungen zu evaluieren. Weitere Studien untersuchen aktuell die optimale postinterventionelle Antikoagulation bei Patienten nach TAVI. Eine optimierte postinterventionelle Therapie mit oralen Antikoagulantien und/oder dualer Plättchenhemmung könnte die Inzidenz der VHD womöglich reduzieren.

Literatur

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