Nachrichten 07.10.2019

Personalisierte Versorgung von Patienten mit Aortenstenose und bikuspider Klappe

Bei Patienten mit bikupsider Aortenklappe sind die hämodynamischen Ergebnisse einer TAVI-Prozedur oft suboptimal. Kann eine individuelle Computersimulation Patienten identifizieren, die besser operiert werden sollten?

Bei der TCT-Tagung in San Francisco berichtete Dr. Cameron Dowling vom St. George’s Hospital der Universität London von einer First-in-Man-Studie bei Patienten mit Aortenstenose und bikuspider Aortenklappe. Bei den insgesamt neun Patienten wurde vor dem Eingriff auf Basis von CT-Daten eine TAVI-Prozedur individuell simuliert, um zu sehen, wie erfolgversprechend sie ist. Hintergrund ist, dass das Risiko paravalvulärer Lecks sowie unerwünschter Strömungsphänomene und auch das Risiko postinterventionelle Reizleitungsstörungen bei Patienten mit bikuspiden Aortenklappen größer ist, auch weil die individuelle Segelanatomie bei jedem Patienten anders ist.

3D-Simulation dynamischer Flüssigkeiten und Strömungen am Herzen

Für ihre Studie haben Dowling und Kollegen das in Europa CE-zertifizierte, in den USA noch nicht zugelassene HEARTguide-System von FEops genutzt. Dabei handelt es sich um ein anspruchsvolles, mit aufwändigen Algorithmen hinterlegtes Werkzeug für die 3D-Simulation dynamischer Flüssigkeiten und Strömungen am Herzen. Es ähnelt jenem, das für die CT-basierte FFR-Bestimmung genutzt wird.

Grundlage war jeweils ein CT-Datensatz der Aortenwurzel. In einem ersten Schritt erfolgte eine rein anatomische Analyse, bei der simuliert wurde, wie ein TAVI-Implantat mit der individuellen Klappenanatomie voraussichtlich interagieren und insbesondere wie es verformt wird. Im zweiten Schritt wurden mit Hilfe von Computational Fluid Dynamics Algorithmen paravalvuläre Lecks simuliert und ausgemessen. Der dritte Schritt war schließlich eine Abschätzung der Druckverhältnisse in den Kontaktbereichen zwischen Aortenwurzel und TAVI-Implantat, um das Risiko möglicher Reizleitungsstörungen zu quantifizieren.

Mithilfe der Computersimulation identifizierten Ärzte paravalvuläre Lecks

Die neun Patienten, über die die Kardiologen in San Francisco berichteten, waren im Mittel 79 Jahre alt und hatten einen mittleren STS Score von 4,7%. Sechs der neun Patienten waren akut behandlungsbedürftig, drei hatten eine LVEF < 20%. Auf Basis der Computersimulation identifizierten die Ärzte drei Patienten, bei denen sich auch nach einer simulierten Optimierung der Positionierung des Implantats immer wieder signifikante paravalvuläre Lecks zeigten. Nach Besprechung im Heart Team wurde bei diesen drei Patienten ein operativer Klappenersatz empfohlen. Bei zweien klappte das auch gut, der dritte wurde letztlich doch als zu krank für einen operativen Eingriff angesehen. Er erhielt eine Sapien 3-Klappe mit zufriedenstellendem Ergebnis.

Bei den sechs TAVI-Kandidaten wurden in zusätzlichen Simulationen jeweils die optimale Klappengröße und Implantationshöhe ermittelt. Bei einem Patienten war eine tiefe Implantation nötig, um paravalvuläre Lecks zu vermeiden. Dieser Patient erhielt einen prophylaktischen permanenten Schrittmacher. Keiner der sechs entwickelte mehr als geringe paravalvuläre Lecks, und keiner der fünf Patienten ohne periprozedurale Schrittmacherimplantation benötigte nach der Prozedur einen Schrittmacher.

Literatur

Dowling C. Präsentation TCT 2019, San Francisco. 25. September 2019. First-in-Human Experience With Patient-Specific Computer Simulation of TAVR in Bicuspid Aortic Valve Morphology. 

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Bildnachweise
DGK Herztage 2019 in Berlin/© daskleineatelier/Fotolia
TCT-Kongress 2019 in San Francisco/© Enrique / stock.adobe.com
ESC-Kongress 2019 in Paris/© 604371970 / Getty Images / iStock [M]