Nachrichten 30.09.2019

Verkalkte Koronarstenosen: Intravaskuläre Lithotripsie erweist sich als sicher und effektiv

Das noch experimentelle Verfahren der intravaskulären Lithotripsie bei Patienten mit stark verkalkten Koronarstenosen hat seinen zweiten Studientest bestanden. In der einarmigen, multizentrischen Disrupt CAD II-Studie war die Kalkzertrümmerung effektiv und sicher.

An der Disrupt CAD II Studie hatten an 15 Zentren in neun Ländern insgesamt 120 Patienten mit stark verkalkten Koronarläsionen teilgenommen. Bei den Patienten bestand unabhängig von der geplanten Lithotripsie eine Indikation für eine perkutane Intervention. Die Kalkplaques wurden unmittelbar vor der geplanten Stentimplantation mit einem Lithotripsie-Katheter zertrümmert. Primärer Endpunkt waren schwere unerwünschte Ereignisse im Krankenhaus, definiert als kardialer Tod, Myokardinfarkt oder Zielgefäßrevaskularisation.

Derartige Ereignisse traten bis Krankenhausentlassung bei 5,8% der Patienten auf. Es handelte sich ausschließlich um Nicht-Q-Wellen-Infarkte, was Studienleiter Prof. Carlo die Mario von der Universität Florenz, der die Ergebnisse der Disrupt CAD II Studie bei der TCT-Tagung in San Francisco vorstellte, als für dieses Patientenkollektiv sehr gutes Sicherheitsprofil bezeichnete, das es rechtfertige, das Verfahren in weiteren Studien zu evaluieren. Auch die 30-Tage-Ereignisrate sei mit 7,6% sehr niedrig gewesen.

Objektivierbare Brüche in den Kalkplaques

Natürlich wurde in der Disrupt CAD II Studie auch nach der Effektivität der Kalkzertrümmerung geschaut. Die Lumenzunahme nach der intravaskulären Lithoitripsie betrug im Mittel 0,83 mm, und die Residualstenose war eine etwa 33%ige Stenose. Nach der anschließenden Implantation des medikamentenfreisetzenden Stents waren es dann 7,8%.

Bei 47 von 120 Patienten wurde im Anschluss an die Intervention noch eine optische Kohärenztomographie durchgeführt. Und hier konnten die Kardiologen bei knapp 79% der Läsionen belegen, dass es durch die Lithotripsie tatsächlich zu Brüchen in den Kalkplaques gekommen ist. Pro Läsion wurden dabei im Mittel 3,4 Brüche einer mittleren Länge von 5,5 mm identifiziert.

Literatur

Ziad A et al. Safety and Effectiveness of Coronary Intravascular Lithotripsy for Treatment of Severely Calcified Coronary Stenoses. Circulation: Cardiovascular Interventions 2019. 25. September 2019. doi: 10.1161/CIRCINTERVENTIONS.119.008434

Di Mario C et al. DISRUPT CAD II: A Single-Arm Study of Intravascular Lithotripsy for Treatment of Severely Calcified Stenoses. TCT 2019. Präsentation am 27. September 2019.

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