Nachrichten 07.11.2021

Herzinsuffizienz: Nutzt hämodynamisches Monitoring auch bei HFpEF?

Ist ein hämodynamisches Monitoring mittels implantiertem Sensor, der den Pulmonalarteriendruck kontinuierlich misst, besonders bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion von Vorteil? Eine neue Subgruppenanalyse der GUIDE-HF-Studie deutet zumindest darauf hin.

Die GUIDE-HF-Studie hatte das CardioMEMS-Implantat von Abbott in einem randomisierten Studiendesign bei 1000 Patienten mit Herzinsuffizienz der NYHA-Klassen II bis IV untersucht, die entweder einen herzinsuffizienzbedingten Krankenhausaufenthalt hinter sich hatten oder erhöhte natriuretische Peptide aufweisen. GUIDE-HF knüpft an die vorangegangene CHAMPION-Studie an, die das hämodynamische Monitoring mit dem draht- und batteriefreien Sensor-Implantat in einem begrenzten Kollektiv bei Patienten mit Herzinsuffizienz der NYHA-Klasse III nach Krankenhausaufenthalt untersucht hatte. In CHAMPION wurden durch das Monitoring erneute, herzinsuffizienzbedingte Hospitalisierungen um 28% reduziert.

Die GUIDE-HF-Studie, deren Hauptergebnisse im Sommer beim ESC-Kongress vorgestellt worden waren, konnte das für ein breiteres Spektrum von Patienten mit Herzinsuffizienz der NYHA-Klassen II bis IV so deutlich nicht reproduzieren. Die relative Risikoreduktion beim primären Endpunkt – herzinsuffizienzbedingte Krankenhauseinweisungen und Sterblichkeit – betrug nicht signifikante 12% (50,1% vs. 57,4%), bei den Klinikeinweisungen waren es nicht signifikante 17%.

COVID-Pandemie brachte Studienablauf durcheinander

Allerdings machten die Studienleiter geltend, dass ihnen die COVID-Pandemie dazwischenkam. In einer COVID-bereinigten Analyse wurden daher nur die 74% aller Endpunkt-Ereignisse berücksichtigt, die auftraten, bevor die USA im März 2020 den nationalen Notstand ausriefen. Zu diesem Zeitpunkt betrug die relative Risikoreduktion beim primären Endpunkt 19 Prozent, was knapp signifikant war (95% Konfidenzintervall: 0,66-1,00; p=0,049). Getrieben war das, und hier passten die Ergebnisse zur CHAMPION-Studie, durch eine 28% Reduktion bei den Klinikeinweisungen (p=0,007).

Neue Subanalyse differenziert zwischen HFrEF und HFpEF

Beim Kongress TCT 2021 in Orlando dröselte Dr. Michael R. Zile von der Medizinischen Universität South Carolina die Subgruppen auf, und zwar insbesondere im Hinblick auf Patienten mit Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) bzw. erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF). HFrEF war für die Analyse definiert als linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) < 50%. Es erfolgte eine Stratifizierung nach NYHA-Klassen, und die Wissenschaftler beschränkten sich erneut auf die Daten von vor Beginn der Pandemie.

Im Mittel betrug die LVEF in der HFpEF-Gruppe 58%, in der HFrEF-Gruppe 28%. Beim PA-Druck und der klinischen Symptomatik waren die Gruppen ähnlich, das NT-proBNP war in der HFrEF-Gruppe rund doppelt so hoch. Mehr HFrEF- als HFpEF-Patienten erhielten RAAS-Hemmstoffe, MRA und Betablocker. In beiden Gruppen erhielt fast jeder Patient Diuretika.

Im Ergebnis zeigte sich in Bezug auf den primären kombinierten Studienendpunkt in der Prä-COVID-Analyse beim Kollektiv der NYHA II-IV-Patienten eine Reduktion um 30% in der HFpEF- und um 15% in der HFrEF-Subgruppe. Wurden die NYHA II/III-Patienten separat ausgewertet, betrug die relative Risikoreduktion 39% (HFpEF) bzw. 19% (HFrEF). Die Zahl der NYHA IV-Patienten war zu niedrig, um valide Aussagen machen zu können.

Insgesamt zeigten diese Ergebnisse bei allen Einschränkungen durch die COVID-bedingten Verzerrungen, dass ein hämodynamisch geleitetes Herzinsuffizienzmanagement über alle LVEF-Kohorten hinweg die Versorgung von Herzinsuffizienzpatienten verbessere, so Zile. Die Analyse zeige außerdem, dass die hämodynamische Belastung des Herzens bei HFrEF und HFpEF ähnlich sei, und dass die implantatbasierte Steuerung in beiden Gruppen mit deutlich niedrigeren PA-Drücken im gesamten Studienverlauf einhergehe. Mit anderen Worten: Die Implantate (bzw. die daraus resultieren Maßnahmen) taten, was sie sollten.

Veränderungen gab es vor allem bei den Diuretika

Studienleiterin Prof. Dr. JoAnn Lindenfeld, die die Ergebnisse bei der TCT 2021 Tagung in einem eigenen Vortrag einordnete, betonte, dass es auf therapeutischer Seite vor allem Veränderungen bei den Diuretika waren, die den Unterschied zwischen den Studienarmen ausmachten. Bei zwei Dritteln der Patienten in der Implantatgruppe wurden die Diuretika auftitriert, bei rund einem Drittel reduziert. Beides geschah in der Kontrollgruppe deutlich seltener.

Dies passe auch zu den Ergebnissen der CHAMPION-Studie, wo es ähnlich gewesen sei, so Lindenfeld. Insgesamt sei es in der Prä-COVID Analyse der GUIDE-HF Studie im Schnitt zu 0,84 Veränderungen in der Medikation pro Monat bei hämodynamischem Monitoring gekommen, gegenüber 0,48 in der Kontrollgruppe.


Literatur

Zile MR. Hemodynamic Guided Management of Heart Failure: Outcomes of GUIDE-HF According to Ejection Fraction. TCT 2021. Session Late Breaking Clinical Trials III. 6. November 2021.

Lindenberg J. Lessons Learend from CHAMPION and GUIDE-HF. TCT 2021. Session Interventional Heart Failure 3: Patient Monitoring. 6. November 2021

Neueste Kongressmeldungen

Roboter senkt Strahlenbelastung bei PCI-Eingriffen deutlich

Interventionell tätige Kardiologinnen und Kardiologen sind ständig einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt. Deutlich verringern lässt sich die Exposition, wenn ein Roboter sie in der Durchführung von PCI-Prozeduren unterstützt.

Neue invasive HFpEF-Therapie besteht ersten Test

Bei HFpEF-Patienten kann eine Dekompensation auch durch eine Volumenverschiebung von extrathorakal nach thorakal ausgelöst werden. Ein Therapieansatz ist deshalb, dem ungünstigen Shift durch Modulation der Splanchnicus-Aktivität entgegenzuwirken. Erste Daten zu diesem Verfahren werden zwar als positiv bewertet, Kritik bleibt aber nicht aus.

Lungenfunktion bei COVID: Impedanz verhält sich anders als bei Herzinsuffizienz

Lungen bei COVID-Patienten können im Röntgen-Thorax aussehen wie Lungen bei Herzinsuffizienz. Die Lungenimpedanzmessung allerdings verhält sich unterschiedlich.

Neueste Kongresse

DGK-Jahrestagung 2022

„Neue Räume für kardiovaskuläre Gesundheit“ – so lautet das diesjährige Motto der 88. Jahrestagung. Alle Infos und Berichte im Kongressdossier.

ACC-Kongress 2022

Der diesjährige Kongress der American College of Cardiology findet wieder in Präsenz in Washington DC und gleichzeitig online statt. In diesem Dossier lesen Sie über die wichtigsten Studien und Themen vom Kongress.

AHA-Kongress 2021

Die wichtigsten Ergebnisse der beim amerikanischen Herzkongress AHA präsentierten  Studie lesen Sie in unserem Dossier. Bleiben Sie auf dem Laufenden.

Highlights

Kardiothek

Alle Videos der Kongressberichte, Interviews und Expertenvorträge zu kardiologischen Themen. 

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Bodenverschmutzung mit Herzerkrankungen assoziiert

Während Luftverschmutzung sich leichter beobachten und erforschen lässt, gibt es zu den gesundheitlichen Folgen von Bodenkontamination weniger Daten. Eine deutsche Übersichtsarbeit zeigt, wie Schadstoffe im Boden das Herz schädigen können.

So sicher und effektiv sind Sondenextraktionen in Deutschland

Die Entfernung von Schrittmacher- oder ICD-Elektroden kann eine große Herausforderung sein. Auskunft darüber, wie sicher und effektiv Eingriffe zur Sondenextraktion in Deutschland sind, geben Daten des nationalen GALLERY-Registers.

Sternotomie: Optimaler Start der kardiologischen Reha

Bedeutet ein früher Beginn des Rehabilitationstrainings nach einer Sternotomie ein Risiko für die Heilung oder eine schnellere Genesung, die Muskelabbau und Stürze verhindert? Eine kleine, randomisierte Studie liefert neue Daten dazu.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Echokardiographischer Zufallsbefund. Was fällt auf?

Interventionelle Techniken bei Herzinsuffizienz: Bei wem, was und wann?

Für das Management von Herzinsuffizienz-Patienten stehen inzwischen auch interventionelle Techniken zur Verfügung, etwa ein intratrialer Shunt zur HFpEF-Therapie oder invasive Devices für die Fernüberwachung. Dr. Sebastian Winkler erklärt in diesem Video, wann der Einsatz solcher Techniken sinnvoll sein könnte, und was es dabei zu beachten gilt.

SGLT2-Hemmung bei Herzinsuffizienz: Mechanismen und pleiotrope Effekte

Inzwischen ist bekannt, dass SGLT2-Inhibitoren über die blutzuckersenkende Wirkung hinaus andere günstige Effekte auf das Herz und die Niere entfalten. Prof. Norbert Frey wirft einen kritischen Blick auf die Studienlage und erläutert daran, was über die Mechanismen der SGLT2-Hemmung tatsächlich bekannt ist.

DGK Jahrestagung 2022/© m:con/Ben van Skyhawk
ACC-Kongress 2022 in Atlanta/© SeanPavonePhoto / Getty Images / iStock
AHA-Kongress 2020 virtuell
Kardiothek/© kardiologie.org
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz Juni 2022/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Vortrag vom BNK/© BNK | Kardiologie.org