Nachrichten 08.11.2021

Koronarphysiologie: FFR- und iFR-Messung auch langfristig gleichauf

Koronarphysiologische Messmethoden zur Abklärung der funktionellen Relevanz von Stenosen gibt es viele, doch welche nehmen? In der 5-Jahres-Auswertung der iFR-SWEDEHEART Studie geben sich FFR- und iFR-Messung nur wenig.

Wenn es im Fall von visuell als intermediär eingestuften Koronarstenosen keine klaren Anzeichen für Ischämien gibt, empfehlen die ESC-Leitlinien zur Myokardrevaskularisation eine funktionelle Messung der FFR (Fraktionelle Flussreserve) oder der iFR (Instantaneous wave-free Ratio) zur Abklärung der hämodynamischen Relevanz dieser Verengungen (Klasse-1-Empfehlung). Zwei große Studien (iFR-SWEDEHEART und DEFINE-FLAIR) haben übereinstimmend gezeigt, dass sich FFR- und iFR-gesteuerte Vorgehensweise bei der Revaskularisation in ihren klinischen Ergebnissen nach zwölf Monaten nicht wesentlich unterscheiden.

Finale Ergebnisse der iFR-SWEDEHEART Studie

Die iFR-SWEDEHEART Studie war eine Registerstudie an 15 skandinavischen Zentren, die mit der jetzt beim Kongress TCT 2021 in Orlando von Dr. Matthias Götberg von der Lund Universität in Schweden vorgestellten 5-Jahres-Auswertung zu ihrem Abschluss kommt. Es handelte sich um eine Nicht-Unterlegenheits-Studie, in der die iFR-Messung, bei der keine Hyperämie induziert werden muss, mit der „klassischen“ koronarphysiologischen Messung der fraktionellen Flussreserve (FFR) mittels Druckdraht im Hinblick auf Gesamtsterblichkeit, Myokardinfarkt und ungeplante Revaskularisationen verglichen wurde.

Insgesamt 2037 Patienten mit stabiler Angina pectoris, instabiler Angina pectoris oder NSTEMI nahmen teil, wobei 6 von 10 Patienten eine stabile Angina hatten. Die Evaluierung der Läsion erfolgte entweder mit FFR – und damit unter Einsatz eines blutflusssteigernden Medikaments – oder – etwas weniger zeitaufwändig und ohne Medikament – mit iFR. Die 12-Monats-Daten der iFR-SWEDEHEART Studie wurden bereits vor 4 Jahren im New England Journal of Medicine publiziert. Mit 6,7% (iFR) vs. 6,1% (FFR) Patienten mit Endpunktereignissen konnte für die iFR-Messung damals die „Nichtunterlegenheit“ nachgewiesen werden.

Nahezu deckungsgleiche Ereigniskurven

Im jetzt vorgestellten 5-Jahres-Follow-up lag die Rate der Patienten mit einem Endpunktereignis bei 21,5% in der iFR-Gruppe und bei 19,9% in der FFR-Gruppe. Das war statistisch erneut kein Unterschied (HR 1,09; 95% CI 0,90-1,33). Für die Gesamtsterblichkeit ergaben sich in beiden Gruppen Raten von 9,4% (iFR) und 7,9% (FFR). Auch das war statistisch kein signifikanter Unterschied (HR 1,20; 95% CI 0,89-1,62).

Die Ereigniskurven für Myokardinfarkte und ungeplanten Revaskularisationen waren in beiden Gruppen nach fünf Jahren wie schon nach einem Jahr praktisch deckungsgleich. Es gab auch keine präspezifizierten Subgruppen, bei denen die eine oder andere Messmethode deutlich Vorteile gehabt hätte.

Literatur

Götberg M. iFR-SWEDEHEART: Five-Year Outcomes of a Randomized Trial of iFR-Guided vs. FFR-Guided PCI. Late-Breaking Clinical Science Session I; TCT 2021. 4.-6. November 2021, Orlando

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