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11.11.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

BEAT HF-Studie

Telemonitoring bei Herzinsuffizienz enttäuscht

Autor:
Dr. Norbert Smetak

Kürzlich durchgeführte große Studien bzgl. der Telemedizin bei Patienten mit Herzinsuffizienz (z. B. Tele-HF, TIM-HF) zeigten keine Überlegenheit gegenüber der konventionellen Betreuung. In der Studie BEAT-HF wurde über eine Intensivierung der Betreuung versucht, einen besseren Effekt zu erzielen.

Eingeschlossen in die beim Kongress der American Heart Association in Orlando vorgestellte Studie wurden 1.437 Patienten über 50 Jahre alt, zwischen Oktober 2011 und September 2013, die in einem der 6 kalifornischen Studienkrankenhäuser wegen Herzinsuffizienz stationär behandelt wurden. Primärer Endpunkt war die Anzahl an KH-Wiederweisungen nach 180 Tagen aus jeglicher Ursache. Sekundäre Endpunkte die Anzahl an KH-Einweisungen sowie die Mortalität nach 30 Tagen und die 180-Tage-Mortalität.

Die Interventionsgruppe erhielt folgende Betreuung:

  1. Eine Schulung zur Herzinsuffizienz vor Entlassung einschließlich einer Einweisung in die Telemonitoring-Utensilien.
  2. Ein regelmäßiges Telefoncoaching durch Schwestern, beginnend 2-3 Tage nach Entlassung , im ersten Monat wöchentlich, danach über 6 Monate monatlich.
  3. Tägliches Telemonitoring von Gewicht, Blutdruck, Herzfrequenz und Symptomen. Diese Daten wurden täglich von der betreuenden Schwester überprüft und ggf Patient oder betreuender Hausarzt bei kritischen Abweichungen informiert.

In der Kontrollgruppe wurde die Standardbetreuung über Anrufe nach 1 Woche, einem Monat und 6 Monaten durchgeführt. Vom den 1.437 Patienten wurden 715 in der Interventionsgruppe und 722 in der Kotrollgruppe betreut. Im Mittel waren die Patienten 73 J, 45,6% weiblich, 22,2 % Afroamerikaner und 61,2% NYHA Stadium III bis IV.

In der Interventionsgruppe wurde das Telemonitoringequipement von 82,7% benutzt. Bis zum Studienende nach 180 Tagen konnten >50 % Anrufe bei 68 % erfolgreich durchgeführt werden und über 50% komplette Telemonitoringdaten bei 51,7%.

Ergebnisse

Bezüglich der Wiedereinweisung gab es weder nach 30 noch nach 180 Tagen einen signifikanten Unterschied (30 Tage Adjustierte Hazard ratio mit Intervention 1,01 (95%-KI 0,80–1,28), 180 Tage adjustiert 1,03 (95%-KI 0,88–1,20).

Bzgl. der Mortalität gab es nach 180 Tagen keinen signifikanten Unterschied, in der 30 Tage-Mortalität einen geringen ( Adjustierte Hazard Ratio 0,53, 95%-KI 0,31–0,93).

Signifikant auch bzgl. KH-Einweisungen nach 30 Tagen profitierten die Patienten die >50% der Telefonate und/oder über 50% der 180 Tage Monitordaten übermittelten.

Als mögliche Gründe für den überwiegend enttäuschenden Ausgang der Studie sahen die Autoren evtl. in der Auswahl der Studienzentren, die alle akademische Lehrkrankenhäuser waren, in der fehlenden Integration der Hausärzte und evtl. einer nicht mehr zeitgemäßen Telemetrietechnik.

Erstaunlich ist die doch überraschend schlechte Adhärenz der Patienten. Wie auch bei der sonstigen Betreuung chronischer Patienten steht und fällt der Erfolg mit der Mitarbeit des Patienten und dies kann auch durch noch so gute Technik nur bedingt wettgemacht werden.


In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor. Dr. Norbert Smetak ist Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK). Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe in Kirchheim.


Literatur

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