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09.06.2016 | Nachrichten

FDA-Warnung vor kardialen Effekten

Unklare Rhythmusstörungen? Auch an Loperamid denken!

Autor:
Philipp Grätzel

Die Food and Drug Association (FDA) warnt mit Blick auf kardiale Nebenwirkungen vor einer übermäßigen Einnahme des Durchfallmedikaments Loperamid. Die Behörde hat 48 Patientenberichte zusammengetragen, überwiegend Fälle von Medikamentenmissbrauch.

Loperamid ist ein Agonist an peripheren mu-Opioidrezeptoren. In therapeutischer Dosis erhöht es den Tonus der Darmwand, verhindert propulsive Peristaltik und reduziert damit Durchfälle. Die Maximaldosis laut Fachinformation beträgt 8 Kapseln à 2 mg pro Tag bei akuten Durchfällen und zwei Kapseln pro Tag bei chronischen Durchfällen.

In einer Drug Safety Communication, einer Art Rote-Hand-Brief, berichtet die FDA jetzt über 48 Patienten, bei denen nach Loperamid-Überdosierung Verlängerungen des QT-Intervalls, Torsaden, kardiale Synkopen und Herzstillstände dokumentiert wurden. Solche kardialen Nebenwirkungen standen bei Loperamid-Überdosierung bisher nicht im Fokus. Die deutsche Fachinformation nennt unter dem Stichwort Überdosierung nur ZNS-Nebenwirkungen.

Meist absichtliche Überdosierung

Die große Mehrheit der 48 Patienten mit kardialen Folgen einer Loperamid-Überdosierung hat das Medikament absichtlich in hoher Dosis eingenommen. Die Dosierungen, die der FDA berichtet wurden, lagen dabei vier Mal bis einhundert Mal oberhalb der maximalen Tagesdosis von 16 mg. Anfällig für derartigen Missbrauch sind vor allem Menschen im Opioidentzug, die versuchen, mit sehr hohen Loperamid-Dosierungen psychoaktive Effekte zu erzielen.

Einige wenige Patienten hatten allerdings auch versehentlich zu hohe Dosierungen von wegen Durchfällen verordnetem oder in der Apotheke selbst erworbenem Loperamid eingenommen. Die FDA rät Ärzten deswegen, bei unklaren QT-Verlängerungen, Torsaden, anderen ventrikulären Arrythmien oder Herzstillständen auch an eine mögliche Loperamidüberdosierung zu denken.

Weil mehr als die Hälfte der Patientenfälle, die der FDA vorliegen, nach 2010 gemeldet wurden, geht die Behörde davon aus, dass das Problem zunimmt. Das Internet könnte dabei eine Rolle spielen: Loperamid wird dort in Foren und Chaträumen teilweise als wirksames Mittel zur Linderung des Opiodentzugs angepriesen.

Literatur

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