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28.08.2016 | Vaskuläre Erkrankungen | Nachrichten

SAVE-Studie

Obstruktive Schlafapnoe: CPAP-Therapie senkt nicht das Herzrisiko

Autor:
Peter Overbeck

Bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und obstruktiver Schlafapnoe scheint eine CPAP (continuous positive airway pressure)-Therapie einer neuen Studie zufolge keine geeignete Maßnahme zu sein, um das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse zu senken. Doch es bleiben Fragen.

Obstruktive Schlafapnoe (OSA) mit kurz dauernden Atemstillständen und daraus resultierender Hypoxie führt über eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems zu einem Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz sowie zu Vasokonstriktion und Endotheldysfunktion. Studien haben gezeigt, dass einer CPAP-Therapie bei Patienten mit nächtlichen schlafbezogenen Atemstörungen die Herzkammerleistung verbessern, sympathische Nervenaktivität und Blutdruck senken und die Lebensqualität erhöhen kann.

Unklar war bislang jedoch, ob diese günstigen Veränderungen längerfristig auch eine Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen zur Folge haben. In der 2008 zunächst in Australien und China gestarteten und dann weltweit an 89 Zentren durchgeführten SAVE-Studie sollte diese Frage definitiv geklärt werden. Die Ergebnisse sind jetzt beim europäischen Kardiologenkongress in Rom vorgestellt worden.

Ereignisrate nicht signifikant reduziert

An der Studie waren 2.717 Patienten beteiligt, die bereits eine kardio- oder zerebrovaskuläre Erkrankung aufwiesen und bei denen eine mittelschere bis schwere OSA diagnostiziert worden war. Aufgeteilt auf zwei Gruppen erhielten sie entweder nur die übliche Standardtherapie (Kontrollgruppe) oder ergänzend einer CPAP -Therapie (CPAP-Gruppe). Die Follow-up-Dauer betrug im Schnitt 3,7 Jahre.

Die wichtigste Frage der Untersucher war, ob die CPAP-Therapie in dieser Zeit das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (kardiovaskulär bedingter Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall, instabile Angina pectoris, Herzinsuffizienz und TIA) senken würde. Das war nicht der Fall: Am Ende waren die entsprechenden Ereignisraten mit 17% (CPAP-Gruppe) und 15,4% (Kontrollgruppe) nicht signifikant unterschiedlich (p=0,34).

Tageschläfrigkeit und Lebensqualität verbessert

Ganz ohne Wirkung war die CPAP-Therapie gleichwohl nicht: Schnarchen und Tagesschläfrigkeit wurden damit verringert, subjektive Stimmungslage und Lebensqualität zeigten sich verbessert.

Ist die CPAP-Therapie damit endgültig als präventiv wirkungslos bezüglich kardiovaskulärer Ereignisse überführt? Sowohl die Studienautoren als auch die Autoren eines Begleitkommentars zur Publikation im „New England Journal of Medicine“ verneinen dies. Denn es bleibt die Frage nach der CPAP-Therapieadhärenz. Sie war mit im Mittel 3,3 Stunden, in denen die Atemmaske von den überwiegend männlichen Teilnehmern nachts getragen wurde, in der Studie eher suboptimal. Nicht auszuschließen ist, dass bei besserer Therapieadhärenz auch die klinischen Ergebnisse besser sind.

Ein kurzes Fazit

Nach derzeitiger Studienlage empfiehlt es sich nicht, asymptomatischen Patienten mit OSA allein aus Gründen der Prävention künftiger kardiovaskulärer Ereignisse eine CPAP-Therapie zukommen zu lassen. Andere günstige Effekte dieser Therapie bei symptomatischer Patienten mit OSA bleiben davon unberührt.

Literatur

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