Nachrichten 26.03.2021

Schlaganfall: Neuer Stent-Retriever im klinischen Test erfolgreich

Ein neuartiger Stent-Retriever zur mechanischen Thrombektomie bei ischämischem Schlaganfall hat seine klinische Bewährungsprobe in einer prospektiven Studie, die eine hohe Reperfusionsrate dokumentiert, erfolgreich bestanden.

Die katheterbasierte mechanische Entfernung von Blutgerinnsel (endovaskuläre Thrombektomie) mithilfe von winzigen entfaltbaren Gittergeflechten – sogenannten Stent-Retrievern – ist mittlerweile ein Standardverfahren bei ischämischen Schlaganfällen infolge von thrombotischen Verschlüssen großer Hirnarterien (large vessel occlusion, LVO). Allerdings ist mit den verfügbaren Thrombektomie-Systemen nicht bei allen Patienten eine optimale – sprich komplette – Reperfusion erreichbar. An der Entwicklung technisch verbesserter Systeme für eine optimierte Thrombektomie wird deshalb gearbeitet.

Ein innovativer Stent-Retriever namens Tigertriever (Hersteller: Rapid Medical) scheint in dieser Hinsicht vielversprechend zu sein. Das legen zumindest die Ergebnisse der von Dr. Rishi Gupta vom Wellstar Health System Kennestone Hospital in Marietta, Georgia, bei der virtuellen International Stroke Conference (ISC 2021) vorgestellten und simultan im Fachblatt „Stroke“ publizierten TIGER-Studie nahe.

Erfolgsrate für Reperfusion von knapp 85%

Primärer Wirksamkeitsendpunkt der einarmigen prospektiven Multicenter-Studie war eine erfolgreiche Reperfusion gemäß modifizierter TICI-Klassifikation (mTICI-Score 2b-3). Gemessen an diesem Kriterium konnte in der Studie eine Erfolgsrate von 84,6% erzielt werden. Diese Rate ist signifikant höher als das auf Basis von sechs älteren Thrombektomie-Studien definierte „Performance-Ziel“ von 63,4% (p<0,0001 für Nicht-Unterlegenheit; p<0,01 für Überlegenheit).

Ein guter und mit funktioneller Unabhängigkeit einhergehender Status (Score von 0-2 auf der modifizierten Rankin-Skala) nach 90 Tagen konnte mit dem neuen Thrombektomie-System bei 58% aller Teilnehmer erreicht werden. Auch diese Rate ist signifikant höher als die bei historischen Kontrollen erreichte Rate von 43% (p=0,0006).

Für den primären Sicherheitsendpunkt (symptomatische intrakranielle Blutungen und Gesamtmortalität) betrug die Rate nach 90 Tagen 18,1% und lag damit deutlich unter dem bei 30,4% angesiedelten „Performance-Ziel“ und der historischen Rate von 20,4%.

Zwischen Mai 2018 und März 2020 waren insgesamt 160 Patienten mit akutem ischämischem Schlaganfall infolge LVO an 17 in Sachen Thrombektomie erfahrenen Zentren (16 US-Zentren, 1 israelisches Zentrum) in die Studie aufgenommen und mit dem neuen Stent-Retriever behandelt worden (davon 43 Patienten in einer „Lead-in“-Phase, 117 in der Hauptphase der Studie).

Neues System bietet Möglichkeit der Regulierung

Im Unterschied zu selbstexpandieren konventionellen Retrievern bietet das in der TIGER-Studie geprüfte Thrombektomie-System die Möglichkeit, dass dessen Durchmesser (radiale Expansion) und die Krafteinwirkung bei der intravasalen Bergung von Thromben durch den Operateur reguliert und so den anatomischen Gegebenheiten im Zielgefäß angepasst werden können.

Inwieweit diese technische Innovation die entscheidende Erklärung für die guten Behandlungsergebnisse ist, lässt sich schwer beurteilen. Schließlich handelt es sich bei der aktuellen Untersuchung nicht um eine randomisierte Studie, zu der ein Kontrollarm mit nach heute geltenden Standards behandelten Schlaganfall-Patienten gehörte. Als Referenzmaßstab dienten vielmehr Ergebnisse aus Jahre zurückliegenden Studien. Möglich ist daher, dass auch ein inzwischen erreichter allgemeiner Zuwachs an Erfahrungen und Expertise bei der Thrombektomie-Behandlung zur gezeigten Verbesserung der klinischen Ergebnisse beigetragen hat.

Literatur

Vorgestellt bei der virtuellen International Stroke Conference (ISC) 2021.

Gupta R. et al.: A New Class of Radially Adjustable Stentrievers for Acute Ischemic Stroke: Primary Results of the Multicenter Tiger Trial. Stroke 2021, 10.1161/STROKEAHA.121.034436

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