Skip to main content
main-content

29.12.2017 | Vaskuläre Erkrankungen | Nachrichten

Alternative zu Heparin gesucht

Thrombose-Prophylaxe bei Tumorpatienten: NOAKs auf dem Prüfstand

Autor:
Veronika Schlimpert

Bei Krebspatienten mit venösen Thromboembolien (VTE) ist die derzeit empfohlene Rezidivprophylaxe eine tägliche Injektion mit niedermolekularem Heparin. NOAKs wären die angenehmere Alternative. In einer aktuellen Studie haben sie sich als ebenso wirksam erwiesen wie der bisherige Goldtstandard.

Patienten mit Krebserkrankungen haben nach einer venösen Thromboembolie (VTE) ein hohes Risiko für eine erneute Thrombose. Bisher wird als Rezidivprophylaxe in diesen Fällen niedermolekulares Heparin empfohlen. Die Ergebnisse der Hokusai VTE Cancer-Studie sprechen nun dafür, dass die neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) eine ebenso wirksame Alternative darstellen könnten.

Tägliche Heparin-Injektionen können lästig sein

Tägliche Heparin-Injektionen über einen längeren Zeitraum können für Patienten sehr belastend sein. Diese Form der Thrombosebehandlung war in bisherigen Studien mit Krebspatienten allerdings eindeutig wirksamer als eine Therapie mit Vitamin-K Antagonisten (VKA).

Ob die NOAKs dem Vergleich mit dem bisherigen Goldstandard standhalten können, sollte in der offenen randomisierten Hokusai VTE Cancer-Studie geprüft werden. Die 1.046 eingeschlossen Patienten litten überwiegend an einer fortgeschrittenen Krebserkrankung und hatten alle eine akute symptomatische oder zufällig entdeckte VTE. Randomisiert erhielten sie für mind. 6 Monate bis zu 12 Monate lang entweder eine fixe Dosis des direkten Faktor Xa-Antagonisten Edoxaban (60 mg/Tag) oder einen Monat lang Dalteparin subkutan in einer Dosis von 200 IU pro Kilogramm Körpergewicht, gefolgt von einer täglichen Dosis von 150 IU pro Tag.

Nichtunterlegenheit gezeigt

Nach 12 Monaten war Edoxaban dem aktuellen Goldstandard hinsichtlich des primären Endpunkts – erneute VTE und schwere Blutungen – nicht unterlegen. Entsprechende Ereignissen waren bei 12,8% der mit dem NOAK behandelten Patienten und bei 13,5% der Patienten in der Dalteparin-Gruppe aufgetreten (Hazard Ratio, HR: 0,97; p für Nichtunterlegenheit: 0,006).

Numerisch kamen erneute VTE unter Edoxaban seltener vor als mit dem niedermolekularen Heparin (7,9% vs. 11,3%; HR: 0,71; p=0,09). Auf der anderen Seite war das Blutungsrisiko unter dem NOAK signifikant erhöht (6,9 vs. 4,0%; HR: 1,77; p=0,04).

Die Studienautoren um Prof. Gary Raskob von der Universität Amsterdam weisen allerdings darauf hin, dass das Blutungsrisiko unter Edoxaban vor allem deshalb erhöht war, weil es darunter vermehrt zu oberen gastrointestinalen Blutungen gekommen war. Und solche Blutungen seien vor allem bei  Patienten mit gastrointestinalen Tumoren aufgetreten. Die Häufigkeit schwerer größerer Blutungen seien unter Edoxaban und Dalteparin vergleichbar, schreiben die Studienautoren im „The New England Journal of Medicine“.

Die scheinbar bessere Effizienz von Edoxaban in der Verhinderung weiterer Thrombosen   könnte allerdings auch daran gelegen haben, dass die Therapie mit dem NOAK im Mittel länger fortgeführt wurde als mit Dalteparin (184 vs. 211 Tage). Daran werde allerdings auch deutlich, dass sich eine täglich zu injizierende Heparin-Therapie schwerer über einen längeren Zeitraum fortführen lässt als eine orale Therapie mit einem NOAK, so die Autoren, weshalb die Etablierung einer oralen Therapie in diesem Kontext wünschenswert wäre. 

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

17.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Schlaganfall bei Katheterablation: Was ist zu tun? Ein Fallbeispiel

Schlaganfälle gehören zu den schlimmsten Komplikationen bei Katheterablationen. Anhand eines Fallbeispiels erläutert PD. Dr. Charlotte Eitel, wie man vorgehen sollte, von der Diagnostik, dem Notfallmanagement bis zur Wiederaufnahme der Antikoagulation.

10.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

S3-Leitlinie infarktbedingter kardiogener Schock: Die beste Revaskularisations-Strategie

Mehrgefäß- oder Einfach-PCI beim infarktbedingten kardiogenen Schock, welcher Stent und welcher Zugangsweg sind optimal? Prof. Malte Kelm erläutert, was dazu in der S3-Leitlinie steht. 

Aus der Kardiothek

17.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Schlaganfall bei Katheterablation: Was ist zu tun? Ein Fallbeispiel

Schlaganfälle gehören zu den schlimmsten Komplikationen bei Katheterablationen. Anhand eines Fallbeispiels erläutert PD. Dr. Charlotte Eitel, wie man vorgehen sollte, von der Diagnostik, dem Notfallmanagement bis zur Wiederaufnahme der Antikoagulation.

14.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Komplikation Perikardtamponade – was ist zu tun?

Eine typische Komplikation von Katheterablationen  sind Perikardtamponanden. Wie Sie diese erkennen und behandeln, erklärt PD. Dr. Andreas Metzner

13.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Notfall kardiogener Schock – Komplikationen erkennen und richtig behandeln

Mechanische Infarktkomplikationen sind oft tödlich. Prof. Uwe Janssens erläutert, welche Maßnahmen Sie in solch schwierigen Situationen ergreifen sollten, alles zum Komplikationsmanagement und Intensivmedizin.

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Interventioneller Verschluss eines Atriumseptumdefekts

Vortrag Prof. Dr. Horst Sievert Jahrestagung DGK 2018

Bei einem 56-jährigen Patienten wird zufällig ein Atriumseptumdefekt festgestellt.  Prof. Horst Sievert und sein Team vom St. Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt entscheiden sich für einen interventionellen Verschluss. Sie finden dabei ein weiteres Loch. Was ist zu tun? Für welches Device sich das Team entscheidet und wie sie genau vorgehen, erfahren Sie in diesem Video. 

Bildnachweise