Nachrichten 04.08.2021

VT-Ablation auch bei nichtischämischer Kardiomyopathie erfolgreich

Patienten mit ventrikulären Tachykardien auf Basis struktureller Herzerkrankungen profitierten in einer neuen Studie klinisch von einer frühen Ablationstherapie noch vor einer ICD-Implantation – auch dann, wenn bei ihnen eine nichtischämische Kardiomyopathie bestand.

In mehreren randomisierten Studien konnte gezeigt werden, dass eine Ablation ventrikulärer Tachykardien (VT) bei Patienten mit implantierten Defibrillatoren (ICD) die Häufigkeit von ICD-Therapien (Antitachykardes Pacing und Schock) deutlich verringern kann. An den einschlägigen Studien (SMASH-VT, VTACH und VANISH) waren allerdings ausschließlich Patienten mit ischämischer Kardiomyopathie als Grunderkrankung beteiligt.

Daten aus randomisierten Studien zur VT-Ablation bei nichtischämischer Kardiomyopathie (NICM) gab es bislang nicht. Das hat sich mit der PAUSE-SCD-Studie nun geändert, deren Ergebnisse Studienleiter Dr. Roderick Tung von der University of Chicago beim diesjährigen Kongress der Heart Rhythm Society (HRS 2021) in Boston präsentiert hat.

Im Einklang mit den zuvor genannten Studien zeigt auch PAUSE-SCD, dass eine frühe ventrikuläre Katheterablation bei Patienten mit monomorphen VT in erster Linie die Inzidenz von VT-Rezidiven signifikant reduziert.

Erstmals auch Patienten mit nichtischämischer Kardiomyopathie berücksichtigt

Im Unterschied zu den früheren Studien zeichnet sich die PAUSE-SCD-Studie dadurch aus, dass erstmals auch viele Patienten mit NICM und mit arrhythmogener rechtsventrikulärer Kardiomyopathie (ARVC) beteiligt waren. Alle Studienteilnehmer – noch eine Besonderheit der Studie – stammten ausschließlich aus asiatischen Ländern.

In die Studie waren an elf Zentren in China, Japan, Korea und Taiwan 121 Patienten (medianes Alter: 55 Jahre) mit monomorphen VT und Indikation zur ICD-Implantation aufgenommen und per Randomisierung einer ventrikulären Ablationstherapie oder einer rein medikamentösen Behandlung zugeteilt worden. Über die medikamentöse Therapie wurde jeweils lokal entschieden. Die Ablation erfolgte im Schnitt zwei Tage vor der ICD-Implantation, wobei 52% aller Prozeduren via epikardialem Zugang durchgeführt wurden.

Als kardiale Grunderkrankung bestand bei den randomisierten Patienten zu rund je einem Drittel eine ischämische oder nichtischämische Kardiomyopathie oder eine ARVC. Klinisch manifestierten sich die Kammertachykardien bei ihnen als tolerierte VT (46%) oder präsynkopale/synkopale VT (47%) oder als Herzstillstand (5%).

Signifikante Risikoreduktion um 42% für den primären Endpunkt

Das Hauptergebnis der Studie: Im Studienverlauf (mediane Follow-up-Dauer: 31 Monate) wurde das Risiko für Ereignisse des primären Studienendpunkts (VT-Rezidive, Klinikaufenthalte aus kardiovaskulären Gründen und Todesfälle) durch die frühe Ablationstherapie signifikant um 42% im Vergleich zur konventionellen medikamentösen Therapie reduziert (Hazard Ratio [HR]: 0,58, 95% Konfidenzintervall [KI]: 0,55–0·96; p=0,035).

Dieser Erfolg verdankt sich primär einer signifikanten relativen Reduktion von VT-Rezidiven um 49% durch VT-Ablation (HR: 0,51, 95% KI: 0,29–0·90; p=0,021). Für die beiden Endpunktkomponenten Klinikaufenthalte aus kardiovaskulären Gründen (p=0,546) und Mortalität (p=0,616) ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Behandlungsgruppen. Die gezeigte Risikoreduktion durch VT-Ablation war unabhängig von der Ätiologie der Kardiomyopathie.

Die Rate an Prozedur-bezogenen Komplikationen in der Gruppe mit Ablation betrug 8%.

Register: Gute Ergebnisse mit Ablation auch ohne ICD

Sehr interessant an der PAUSE-SCD-Studie sind auch Ergebnisse eines in die Studie integrierten Registers. Unter den aufgenommenen Studienteilnehmern waren nämlich 47 Patienten, die zwar einer VT-Ablationstherapie unterzogen worden waren, eine ICD-Implantation oder Randomisierung aber abgelehnt hatten. Diese Patienten sind separat in einem assoziierten Register (Ablation only registry) nachbeobachtet worden.

Wie Tung berichtete, war der klinische Verlauf bei den Registerteilnehmern mit alleiniger VT-Ablation und bei den randomisierten Studienteilnehmern mit VT-Ablation plus ICD-Implantation sehr ähnlich. Dagegen war die Ereignisrate in der Kontrollgruppe mit ICD, aber ohne VT-Ablation, deutlich höher als bei den Patienten im Ablation-only-Register (HR: 1,88; 95% KI: 1,08-3,29; p= 0,019).

Im Vergleich zur randomisierten Studienpopulation waren die im Register geführten Patienten tendenziell jünger (medianes Alter: 46 Jahre), sie wiesen zudem eine höhere linksventrikuläre Auswurffraktion (im Median 60%) auf. Auch war der Anteil an Patienten mit ARVC (70,2%) deutlich höher und der Anteil mit ischämischer Kardiomyopathie (8,5%) im Register vergleichsweise niedrig.

Möglicherweise sei die ICD-Therapie nicht immer die beste Wahl bei Patienten mit nichtischämischer Kardiomypathie, gab Studienleiter Tung zu bedenken. Er könnte sich vorstellen, dass in einer künftigen Studie auch der mögliche Nutzen einer alleinigen VT-Ablation ohne ICD-Basistherapie untersucht wird.

Literatur

A Randomized Trial Of Early First-Line Catheter Ablation For Ventricular Tachycardia: Results From The Pan-Asia United States Prevention Of Sudden Cardiac Death Trial (PAUSE-SCD). Vorgestellt in der Sitzung „LBCT01: Late Breaking Clinical Trials and Registry” beim Kongress der Heart Rhythm Society (HRS 2021), 28. - 31. Juli 2021, Boston.

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Jetzt wieder da: Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021.

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Statine absetzen: Wie riskant ist es wirklich?

Statine werden häufig wegen vermeintlicher Nebenwirkungen abgesetzt. Eine große Kohortenstudie mit Senioren legt nahe: Das kann gefährliche Folgen haben.

Ärger und Aufregung könnten Schlaganfälle auslösen

Über langfristige Risikofaktoren für einen Schlaganfall weiß man viel. Wenige Daten gibt es allerdings zu akuten Auslösern. In einer Studie fiel nun auf, dass Schlaganfallpatienten vor dem Ereignis auffällig häufig starke Gefühlsregungen hatten. 

Traditionelles Heilverfahren brachte jungen Mann auf Intensivstation

Ein junger Mann kommt mit pleuritischen Thoraxschmerzen in die Notaufnahme. Die Ärzte stellen eine akute Perikarditis fest. Doch trotz Standardtherapie verschlechtert sich der Zustand des Patienten. Erst durch eine umfassende Bildgebung stoßen sie auf die ungewöhnliche Ursache.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Koronarangiographie der linken Koronararterie (LAO 5°, CRAN 35°) bei einem Patienten mit NSTEMI nach biologischem Aortenklappenersatz am Vortag. Was ist zu sehen?

Hätten Sie es erkannt?

Ausschnitt einer Ergometrie eines 40-Jährigen Patienten mit gelegentlichem thorakalem Stechen. Was ist zu sehen?

Raumforderung im rechten Vorhof – was war die Ursache?

Echokardiographie einer 65-jährigen Patientin, die sich wegen Luftnot vorstellt. Im apikalen 4-Kammerblick zeigt sich eine Raumforderung im rechten Vorhof.

Neueste Kongressmeldungen

Totgesagte leben länger: Uni-Forscher entwickeln „ihren“ Lipidsenker

Dass renommierte akademische Forscher, die an das Potenzial eines Lipidsenkers glauben, den die Pharmaindustrie längst abgeschrieben hat, dessen klinische Entwicklung selbst in die Hand nehmen, kommt auch nicht alle Tag vor. Im Fall des Wirkstoffs Obicetrapib ist es passiert.

ApoB sagt Herzinfarkte besser voraus als LDL-Cholesterin

Das Risiko für einen künftigen Myokardinfarkt wird am besten durch die Apolipoprotein B (apoB)-Konzentration als Maß für die Anzahl atherogener ApoB-haltiger Lipoprotein-Partikel erfasst, legen Ergebnisse einer beim AHA-Kongress präsentierten Studie nahe.

Latente rheumatische Herzerkrankung: Helfen Antibiotika?

Weltweit betrachtet sind rheumatische Herzerkrankungen ein großes Problem. Eine Lösung könnten Screeningprogramme sein, inklusive einer Antibiotikaprophylaxe, falls die Diagnose gestellt wird. In einer randomisierten Studie ist das Konzept jedenfalls aufgegangen.

Neueste Kongresse

AHA-Kongress 2021

Die wichtigsten Ergebnisse der beim amerikanischen Herzkongress AHA präsentierten  Studie lesen Sie in unserem Dossier. Bleiben Sie auf dem Laufenden.

TCT-Kongress 2021

Hier finden Sie die Highlights der diesjährigen Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) Conference, der weltweit größten Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie. 

ESC-Kongress 2021

Der diesjährige Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) findet erneut als digitales Event statt vom 27. bis 30. August 2021. Vier neue Leitlinien werden präsentiert, 19 Hotline-Sessions könnten ebenfalls die Praxis verändern. In diesem Dossier berichten wir über diese und weitere Highlights.

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz Oktober 2021/© L. Gaede, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz September 2021/© L. Anneken, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz August 2021/© F. Ammon, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
AHA-Kongress 2020 virtuell
TCT-Kongress 2021/© popyconcept / stock.adobe.com
ESC-Kongress (virtuell)/© everythingpossible / stock.adobe.com