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26.06.2015 | Nachrichten

Zerebrale Durchblutung

Vorhofflimmern: Ist Kardioversion gut fürs Gehirn?

Autor:
Philipp Grätzel

Die kognitiven Folgen des Vorhofflimmerns werden derzeit heiß diskutiert. Kardiologen aus Island haben jetzt Hinweise darauf gefunden, dass eine erfolgreiche Kardioversion den zerebralen Blutfluss verbessert.

Dr. Maranna Gardarsdottir vom Universitätskrankenhaus in Reykjavik stellte erste Auswertungen einer noch laufenden Neuro-MRT-Studie bei Vorhofflimmern bei der Tagung EHRA EUROPACE – CARDIOSTIM 2015 in Mailand vor. Die Analyse basiert auf 26 Patienten, die zu Studienbeginn im Vorhofflimmern waren und bei denen deswegen eine Kardioversion anstand.

Unmittelbar vor und noch einmal zehn Wochen nach der Kardioversion bestimmten die Experten mit Hilfe einer Phasen-Kontrast-MRT den zerebralen Blutfluss (CBF). Per arterieller Spinmarkierung (arterial spin labeling, ASL) wurde außerdem die Hirnperfusion gemessen.

Zerebraler Blutfluss nahm signifikant zu

Es zeigte sich, dass der CBF bei jenen Patienten, bei denen durch die Kardioversion ein stabiler Sinusrhythmus erreicht wurde, signifikant von 557 auf 627 ml/min anstieg. Die Hirnperfusion nahm in ähnlichem Umfang und ebenfalls signifikant von 35,6 ml/100 g/min auf 40,8 ml/100 g/min zu.

In der Gruppe derer, die durch die Kardioversion nicht dauerhaft in den Sinusrhythmus zurückkehrten, nahmen CBF und Hirnperfusion im Unterschied dazu dezent, aber nicht statistisch signifikant ab. Maßgeblich war jeweils eine EKG-Aufzeichnung unmittelbar vor der zweiten MRT.

Hintergrund dieser Untersuchung ist, dass in mittlerweile mehreren Beobachtungsstudien Hinweise dafür gefunden wurden, dass Vorhofflimmern mit einer Verringerung der kognitiven Leistungsfähigkeit und auch mit einer Verringerung des Hirnvolumens korreliert. Dies könnte Folge von Mikroembolien sein.

Relevant für die kognitive Funktion?

Die isländische Arbeit bringt jetzt mit der Verringerung des CBF einen weiteren potenziellen Mechanismus ins Spiel, der kognitive Defizite bei langjährigem Vorhofflimmern erklären könnte. Bewiesen ist das aber noch nicht. Um einen möglichen kausalen Zusammenhang weiter auszuleuchten, wäre es nötig, Vorhofflimmern, CBF bzw. Hirnperfusion und kognitive Leistungsfähigkeit in einer längerfristigen Studie prospektiv miteinander in Beziehung zu setzen.

Literatur