Skip to main content
main-content

07.08.2019 | Vorhofflimmern | Nachrichten

NFL-Profis häufiger erkrankt

Auch kraftbetonter Sport erhöht Risiko für Vorhofflimmern

Autor:
Dr. Susanne Kressenstein

Nicht nur extrem betriebener Ausdauersport erhöht das Risiko für Vorhofflimmern, sondern auch kraftbetonter Sport wie American Football. Ehemalige Profispieler der National Football Liga (NFL) wiesen im Rahmen einer Beobachtungsstudie ein knapp sechsfach erhöhtes Risiko auf.

Ausdauersportler, insbesondere Marathon- und Skilangläufer, haben schon in jüngeren Jahren ein ungewöhnlich hohes Risiko für das Auftreten von Vorhofflimmern und weisen vermehrt Störungen der kardialen Erregungsleitung auf. Unklar war bislang, ob auch kraftbetonter Leistungssport die Wahrscheinlichkeit für Herzrhythmusstörungen erhöht.

Vorhofflimmern bei 5% der Ex-Profis

Forscher vom Department of Cardiovascular Medicine der Cleveland Clinic, Cleveland, USA, verglichen im Rahmen einer Querschnittsstudie 460 ehemalige Spieler der NFL mit 925 populationsbasierten Kontrollpersonen. American Football auf diesem hohen Niveau erfordert von den Spielern neben taktischem Geschick eine außergewöhnliche Portion an Kraft.

Das mittlere Alter der Männer lag bei rund 55 Jahren, rund jeder zweite war Afroamerikaner. Von den ehemaligen Football-Spielern wiesen 23 Spieler und damit 5% Vorhofflimmern auf, bei den Kontrollpersonen lag dieser Anteil mit lediglich 5 Personen bei 0,5%. Nach der Bereinigung dieser Daten um andere kardiovaskuläre Risikofaktoren war das Risiko bei den ehemaligen Sportlern immer noch um den Faktor 5,7 erhöht (95% CI 2,1 bis 15,9, p<0,001). Mit 2% trugen die Ex-Profis auch achtmal so häufig Herzschrittmacher verglichen mit den 0,25% der Kontrollpersonen. Auch ein AV-Block 1. Grades wurde deutlich häufiger beobachtet.

Ruheherzfrequenz bei den Athleten deutlich niedriger

Die Ruheherzfrequenz war bei den ehemaligen Football-Spieler deutlich niedriger als bei den Kontrollpersonen (62 +/-11 versus 66+/- 11, p<0,001). Höheres Lebensalter, ein höherer BMI und nicht-afroamerikanische Herkunft korrelierten unabhängig voneinander mit einem erhöhten Risiko für diese Herzrhythmusstörung, Hypertonie und Diabetes dagegen nicht.

Jeder Zweite hätte Gerinnungshemmer gebraucht

Bei 15 von insgesamt 23 NFL-Spielern mit Vorhofflimmern war zum Zeitpunkt der Studienauswertung noch keine Diagnose gestellt worden. Bei 12 von ihnen lag jedoch ein CHA2DS2-VASc-Score ≥1 vor. Um das Schlaganfallrisiko zu senken, hätten sie eigentlich schon früher mit Gerinnungshemmern behandelt werden müssen. 

Die Autoren weisen darauf hin, wie wichtig es sei, auch ehemalige Hochleistungssportler aus kraftbetonten Disziplinen immer wieder auf Vorhofflimmern hin zu untersuchen.


Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

 

Highlights

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Aus der Kardiothek

19.08.2019 | DGK-Jahrestagung 2019 | Expertenvorträge | Video

Herz und Diabetes – was der junge Kardiologe wissen soll

Ist Diabetes eigentlich eine kardiologische Erkrankung? Die DDG-Leitlinien empfehlen zumindest, jeden kardiologischen Patienten auch auf Diabetes zu screenen. Welcher HbA1c-Wert schon kritisch ist und welche weiteren Maßnahmen ergriffen werden sollten, erläutert Frau Dr. Bettina J. Kraus, Würzburg, in ihrem Vortrag. 

02.07.2019 | Quiz | Onlineartikel

Was ist die Ursache für die Lumenreduktion?

Koronarangiografie bei einem 63-jährigen Patienten. Augenscheinlich ist eine systolische Lumenreduktion des linken Hauptstamms. Was ist die Ursache?

16.04.2019 | Quiz | Onlineartikel

Patientin mit Fieber und Tachykardie – die Ursache verrät das Röntgenbild

Röntgenaufnahme des Thorax im Stehen bei einem 43 jährigen Patienten mit Fieber und Tachykardie. Was ist zu sehen?

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise