Skip to main content
main-content

20.04.2017 | Vorhofflimmern | Nachrichten

DGK-Jahrestagung 2017

Bei asymptomatischem Vorhofflimmern mehr Schlaganfälle in der Vorgeschichte

Autor:
Peter Overbeck

In Deutschland sind die meisten Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern asymptomatisch oder oligosymptomatisch, belegen Daten des GLORIA-AF-Registers. Diese Patienten hatten vor Einschluss in das Register bereits deutlich mehr Schlaganfälle erlitten als Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern.

GLORIA-AF (Global Registry on Long-Term Oral Antithrombotic Treatment in Patients with Atrial Fibrillation) ist ein globales Register, in dem weltweit bis zu 56.000 Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern und zusätzlichen Risikofaktoren für einen Schlaganfall unter Alltagsbedingungen nachbeobachtet werden.

Das Register soll zum einen Aufschluss darüber geben, welche Patientencharakteristika die Wahl der antithrombotischen Therapie bei Patienten mit neu diagnostiziertem NVAF und zusätzlichen Risikofaktoren für einen Schlaganfall in verschiedenen Regionen der Welt beeinflussen. Zum anderen sollen die Art der antithrombotischen Therapie beschrieben und Daten zur Sicherheit und Zuverlässigkeit der Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA) und neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) in der klinischen Praxis gesammelt werden.

In einer Subanalyse des GLORIA-AF-Registers hat eine Untersuchergruppe um Dr. Steffen Christow aus Ingolstadt nun Patienten mit asymptomatischem/ oligosymptomatischem sowie mit symptomatischem Vorhofflimmern deutschlandweit genauer unter die Lupe genommen. Christow hat die Ergebnisse des Vergleichs bei der DGK-Jahrestagung 2017 in Mannheim vorgestellt.

Teilnehmer am Register sind konsekutive Patienten mit neu diagnostiziert nicht valvulärem Vorhofflimmern und Risikofaktoren für einen Schlaganfall (CHA2DS2-VASc Score ≥ 1). Die Einteilung gemäß der Symptomatik erfolgte anhand der European Heart Rhythm Association (EHRA)-Klassifikation: asymptomatisch/oligosymptomatisch = EHRA I‒II; symptomatisch = EHRA III‒IV.

Dreifach höhere Schlaganfallrate

Das Ergebnis: Von den insgesamt 1.216 in der Substudie analysierten Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern waren die meisten – nämlich 747 (61 %) ‒ asymptomatisch oder oligosymptomatisch. Von diesen Patienten hatten 17,8 % bereits vor Einschluss in das Register einen Schlaganfall erlitten. Mit nur 6 % war der entsprechende Anteil in der Subgruppe mit symptomatischem Vorhofflimmern deutlich niedriger.

Asymptomatische/oligosymptomatisch Patienten waren älter (42,8 vs. 38,8 % über 75 Jahre), und häufiger männlich (59,4 vs. 51,2 %), sie hatten zudem öfter permanentes Vorhofflimmern als symptomatische Patienten (10,2 vs. 4,5 %). Der Anteil an Patienten mit Herzinsuffizienz (18,1 vs. 36,2 %) oder erniedrigter linksventrikulärer Ejektionsfraktion von < 40 % (28,9 vs. 37,1 %) war dagegen in der Gruppe mit asymptomatischem/ oligosymptomatischem Vorhofflimmern niedriger.

Das Schlaganfallrisiko, gemessen am CHA2DS2-VASc-Score, war in beiden Gruppen gleich (3,4 ± 1,5), während das Blutungsrisiko entsprechend dem HAS-BLED-Score bei den asymptomatischen / oligosymptomatischen Patienten signifikant höher war (1,4 ± 1,0 vs. 1,3 ± 0,8).

Wie erklärt sich der Unterschied?

Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass in Deutschland fast zwei Drittel aller Patienten mit neu diagnostiziertem, nicht valvulärem Vorhofflimmern asymptomatisch oder oligosymptomatisch sind. Asymptomatisches Vorhofflimmern ist häufig und kann lange unentdeckt bleiben. Nicht selten ist dann der Schlaganfall die erste klinische Manifestation dieser Arrhythmie.

Die dreifach höhere Schlaganfallrate bei asymptomatischen / oligosymptomatischen Patienten ist nach Einschätzung der Studienautoren um Christow am ehesten durch die längere Dauer des unentdeckt gebliebenen Vorhofflimmerns zu erklären. Die Ergebnisse stützen nach ihrer Ansicht die Forderung nach öffentlichen Programmen zur möglichst frühzeitigen Detektion von Vorhofflimmern in der Allgemeinbevölkerung.

Literatur