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26.06.2019 | Vorhofflimmern | Nachrichten

Antikoagulanzien wirken scheinbar präventiv

Erhöht Vorhofflimmern das Risiko für Demenz?

Autor:
Joana Schmidt

Vorhofflimmern könnte mit einem erhöhten Risiko für Demenz assoziiert sein, unabhängig davon, ob jemand bereits einen Schlaganfall hatte, legt eine umfangreiche Studie nahe. Patienten, die Antikoagulanzien einnahmen, hatten ein geringeres Risiko für Demenz.

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung bei älteren Menschen, mehr als die Hälfte der Betroffenen ist über 80 Jahre alt. Es erhöht das Risiko für Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Tod. Gleichzeitig leiden weltweit über 40 Millionen Menschen an Demenz. Obwohl die pathophysiologischen Mechanismen dieser Erkrankung weitgehend unbekannt sind, gibt es Hinweise darauf, dass Vorhofflimmern zur Entwicklung von Demenz beiträgt.

Die bisher größte Studie zu diesem Zusammenhang bei älteren Menschen ergab, dass Vorhofflimmern mit einem erhöhten Risiko für Demenz assoziiert sein könnte, auch bei Patienten, die noch keinen Schlaganfall hatten. Die Studienteilnehmer, die Antikoagulanzien einnahmen, hatten ein niedrigeres Demenzrisiko.

Patienten mit Vorhofflimmern hatten ein um 50% erhöhtes Risiko für Demenz

Die Forscher um Prof. Boyoung Joung vom koreanischen Yonsei University College of Medicine in Seoul untersuchten dafür 162.611 Personen, die zu Beginn der Studie weder Vorhofflimmern noch Demenz hatten, und beobachteten sie fast zehn Jahre. Die Daten stammten vom koreanischen Krankenversicherungsdienst. Während des Follow-ups wurde bei 10.435 Patienten Vorhofflimmern festgestellt. 24,4% (2.522) davon entwickelten in der Nachbeobachtungszeit eine Demenz, in der Gruppe ohne Vorhofflimmern waren es nur 14,4% (36.322).

Die Studienautoren stellten fest, dass Menschen mit Vorhofflimmern ein um 50% erhöhtes Risiko hatten, an Demenz zu erkranken, im Vergleich zu Personen ohne Vorhofflimmern. Das Risiko veränderte sich nicht, als die Patienten mit Schlaganfall herausgerechnet wurden. „Das bedeutet umgerechnet auf die gesamte Bevölkerung, dass 1,4 Personen pro 100 Einwohner eine Demenz entwickeln würden, wenn bei ihnen Vorhofflimmern diagnostiziert würde“, so Studienleiter Joung in einer Pressemitteilung der European Society of Cardiology (ESC).

Antikoagulanzien verringerten das Risiko für Demenz um 40%

Zudem fanden die Forscher heraus, dass Vorhofflimmern das Risiko für Alzheimer um 30% erhöhte und das Risiko für vaskuläre Demenz mehr als verdoppelte. Bei Menschen, die Vorhofflimmern entwickelten und orale Antikoagulanzien wie Warfarin oder Nicht-Vitamin-K-Antikoagulanzien wie Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban oder Edoxaban einnahmen, verringerte sich das Risiko für Demenz um 40% im Vergleich zu Patienten, die keine Gerinnungshemmer bekamen.

Die Studienautoren halten die Ergebnisse aufgrund der großen Kohorte für verlässlich und glauben sie könnten auf andere Länder übertragbar sein, da weitere Studien darauf hindeuten. Die aktuelle Untersuchung lege nahe, dass sich das Auftreten von Demenz durch Antikoagulanzien reduzieren lasse, so Joung. Es werde erwartet, dass Nicht-Vitamin-K-Antikoagulanzien, die ein signifikant geringeres Risiko für Gehirnblutungen aufweisen als Warfarin, hinsichtlich der Vorbeugung von Demenz wirksamer seien als Warfarin, was momentan noch untersucht werde.

Noch können die Forscher nicht mit Sicherheit sagen, ob es sich um einen kausalen Zusammenhang handelt. Möglicherweise könnte Vorhofflimmern Demenz verursachen, da es durch kleine Schlaganfälle die Blutgefäße im Gehirn verändern kann. Diese Ereignisse verlaufen oft ohne äußerliche Symptome und könnten mit der Entwicklung von Demenz zu tun haben.

Literatur

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