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26.04.2018 | Vorhofflimmern | Nachrichten

Kleinere Blutungen

Nasenbluten, blaue Flecken und Co – kein Grund die Antikoagulation abzusetzen!

Autor:
Veronika Schlimpert

Unter einer oralen Antikoagulation haben Patienten häufig Nasenbluten und andere kleinere Blutungen. Bedenklich sind solche lästigen Zwischenfälle aber nicht.  

Blutungskomplikationen sind ein häufiger Grund, warum Ärzte eine orale Antikoagulation absetzen oder die Dosierung reduzieren. Dass solche Reaktionen im Falle von harmlosen Blutungen wie Nasenbluten, blauen Flecken oder blutenden Hämorrhoiden in aller Regel übertrieben sind, machen nun die Ergebnisse einer Registerstudie deutlich.

Denn derartige Zwischenfälle hatten hier keinerlei Auswirkungen auf die Prognose der Patienten: In den folgenden anderthalb Jahren kam es weder vermehrt zu Blutungen noch zu Schlaganfällen oder anderen thromboembolischen Ereignissen.

Jeder fünfte Patient hat harmlose Blutungen

„Dieses Ergebnis legt nahe, dass das Auftreten solcher Blutungen keine Änderung der Behandlung mit sich ziehen sollte“, resümieren die Studienautoren um Dr. Emily O’Brien aus Durham. Auch die aktuellen ESC-Leitlinien raten bei solchen Vorfällen, die Therapie unverändert fortzusetzen.

Von 6.771 Vorhofflimmern-Patienten des prospektiven ORBIT-AF-Registers ließen sich die Follow-up-Daten auswerten. Jeder fünfte Patient hatte unter der Antikoagulation kleinere Zwischenfälle wie Nasenbluten zu beklagen. In weniger als 5% dieser Fälle führten die zum Abbruch der Therapie.

Tendenz zu schwerwiegenderen Blutungen?

Die Studienautoren hielten es für naheliegend, dass die von solchen Vorfällen geplagten Patienten auch zu schwerwiegenderen Blutungen neigen könnten. Diese Vermutung hat sich in der Analyse allerdings nicht bestätigt. Das Risiko, dass in den folgenden sechs Monaten eine schwere Blutung auftritt, war für die betroffenen Patienten genauso hoch wie für Patienten ohne solche lästigen Zwischenfälle (OR: 1,04 nach Adjustierung auf den ATRIA-Blutungscore; p=0,86). Auch das Schlaganfallrisiko war nicht erhöht (OR: 1,24 nach Adjustierung auf CHA2DS2-Vasc-Score; p=0,62).

Eine erhöhte Blutungstendenz scheinen diese Patienten nach Adjustierung auf andere Risikofaktoren also nicht zu haben, resümieren die Studienautoren. Solche Ereignisse als zusätzlichen Marker bei der Risikostratifizierung aufzunehmen, erscheint daher wenig sinnvoll.

Unter den lästigen Zwischenfällen litt noch nicht mal die Motivation der Patienten, sie waren danach nicht unzufriedener mit der Therapie als zuvor.

Ärzte setzten die Therapie fast immer fort

Trotzdem raten Brien und Kollegen Ärzten dazu, bei Patienten, die unter einer Antikoagulation harmlose Blutungen haben, wachsam zu bleiben und in regelmäßigen Abständen deren Blutungsrisiko abzuklären.

In der heutigen Praxis scheinen sich die meisten Ärzte von solchen Vorfällen aber wohl nicht mehr beirren lassen, zu einem nachfolgenden Therapieabbruch kam es in der aktuellen Analyse nur in 3,6% der Fälle. In Populationen mit höheren Abbruchraten könnte das Ergebnis aber womöglich anders aussehen, geben die Studienautoren als Limitation an.

Literatur

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