Skip to main content
main-content

27.01.2017 | Vorhofflimmern | Nachrichten

Neue Ergebnisse der Framingham-Studie

Schlaganfall nur selten Erstmanifestation von Vorhofflimmern

Autor:
Peter Overbeck

Bei Vorhofflimmern ist das Schlaganfall-Risiko erhöht. Allerdings ist ein  Schlaganfall wohl nur sehr selten die Erstmanifestation dieser häufigen Rhythmusstörung, so das Ergebnis einer neuen Analyse von Daten der Framingham-Studie.

Vorhofflimmern tritt oft nur sporadisch (paroxysmal) auf oder verläuft völlig  asymptomatisch. Das könnte dazu führen, dass die Arrhythmie lange Zeit unerkannt bleibt und erst ein  eingetretener Schlaganfall auf die Spur eines bestehenden Vorhofflimmerns führt – dann allerdings zu spät.

Somit erscheint es naheliegend, durch konsequentes Screening Personen mit Vorhofflimmern frühzeitig zu identifizieren, um vorbeugende Maßnahmen gegen einen Schlaganfall ergreifen zu können. Wie effektiv ein solches Screening ist, hängt jedoch auch davon ab, wie häufig überhaupt ein Schlaganfall  die erste klinische Manifestation von Vorhofflimmern bei Menschen ist, die von  dieser Rhythmusstörung bis dato nichts ahnten.

Daten der Framingham-Studie

Informationen dazu liefert nun wieder einmal die gute alte „Framingham Heart Study“, aus der Epidemiologen in Sachen Herzerkrankungen über Jahrzehnte schon viele Erkenntnisse gewonnen haben. Diesmal ging es um die Frage, wie häufig es zu Schlaganfällen kommt, die mutmaßlich  einem nicht rechtzeitig erkannten Vorhofflimmern anzulasten sind.

Dazu hat sich eine Forschergruppe Dr. Steven Lubitz aus Boston die Daten von 1809 Teilnehmern der Framingham-Studie vorgenommen, bei denen in der Zeit zwischen 1951 und 2013 erstmals Vorhofflimmern diagnostiziert worden war. Es wurde danach  geschaut, wie häufig bei diesen  Personen im Vorfeld der Diagnose ein Schlaganfall aufgetreten war.

Zeitliche Nähe zur Entdeckung von Vorhofflimmern

Dass es sich dabei um Manifestationen von Vorhofflimmern handelte, lässt sich natürlich nicht ursächlich belegen, sondern nur durch die zeitliche Nähe zur späteren Diagnose dieser Arrhythmie plausibilisieren. Die Untersucher wählten dafür den Zeitraum eines Jahres vor der Diagnose. Die in dieser Zeit registrierten Schlaganfälle wurden danach unterteilt, ob sie am Tag der Diagnose oder  innerhalb von 30 Tagen, 60 Tagen, 90 Tagen und 365 Tagen vor der Entdeckung von Vorhofflimmern aufgetreten waren.

Pro Jahr maximal fünf unter 10.000 Personen betroffen

Im gesamten Jahr waren 87 Schlaganfälle zu verzeichnen. Davon entfielen 30 Ereignisse (1,7%) auf den selben Tag wie die Detektion von Vorhofflimmern;  61 Schlaganfälle (3,4%) summierten sich binnen 30 Tage, 67 (3,7%) binnen 90 Tagen und 87 (4,8%) innerhalb eines Jahres vor Arrhythmie-Diagnose. Auf Basis einer definierten Inzidenzrate für Vorhofflimmern bei Männern und Frauen kamen die Autoren dann durch Extrapolation von ihren Beobachtungen zu dem Ergebnis, dass pro Jahr unter 10.000 Personen schätzungsweise  zwei bis fünf sind, die von einem Schlaganfall als initiale  Manifestation eines Vorhofflimmerns betroffen sind.

Die Autoren schließen nicht aus, dass ein bevölkerungsbasiertes Screening auf Vorhofflimmern dazu beitragen kann, die Inzidenz solcher Schlaganfälle zu reduzieren – vorausgesetzt, sie lassen sich durch Antikoagulation verhindern. Die große Frage sei aber, ob solche Bemühungen angesichts der beobachteten Seltenheit solcher Ereignisse am Ende auch kosteneffektiv sind.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

17.10.2018 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Publikation der VEST-Studie: positiv, negativ oder neutral mit Trend?

Welchen Nutzen bietet die tragbare Defibrillatorweste nach akutem Myokardinfarkt?

Die kürzlich publizierte VEST-Studie liefert abhängig von dem statistischen Analyseverfahren unterschiedliche Ergebnisse zur Reduktion plötzlicher Todesfälle durch Einsatz der tragbaren Defibrillatorweste bei Postinfarktpatienten. Die Gesamtmortalität zeigt sich dagegen unabhängig vom Analyseverfahren reduziert. Über die Auslegung der VEST Studie wird unter Experten diskutiert.

Quelle:

kardiologie.org

Autor:
Prof. Dr. med. Dierk Thomas

16.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Innovationen in der Kardiologie – was können wir uns leisten?

Neue Therapien können sehr wirksam sein, kosten aber oft sehr viel Geld. Prof. Andreas Zeiher diskutiert, wie dieser Zwiespalt zu lösen ist.

Aus der Kardiothek

16.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Innovationen in der Kardiologie – was können wir uns leisten?

Neue Therapien können sehr wirksam sein, kosten aber oft sehr viel Geld. Prof. Andreas Zeiher diskutiert, wie dieser Zwiespalt zu lösen ist.

15.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Mindestmengen zur Qualitätskontrolle – Sinn oder Unsinn?

Prof. Hugo A. Katus diskutiert, ob Mindestmengen zur Sicherstellung der Behandlungsqualität sinnvoll sind.

13.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Kritische Bewertung von Studien am Beispiel von TAVI

Die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) boomt in Deutschland. Doch was ist wirklich belegt? Prof. Stefan Blankenberg wirft einen kritischen Blick auf die Studienlage. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Interventioneller Verschluss eines Atriumseptumdefekts

Vortrag Prof. Dr. Horst Sievert Jahrestagung DGK 2018

Bei einem 56-jährigen Patienten wird zufällig ein Atriumseptumdefekt festgestellt.  Prof. Horst Sievert und sein Team vom St. Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt entscheiden sich für einen interventionellen Verschluss. Sie finden dabei ein weiteres Loch. Was ist zu tun? Für welches Device sich das Team entscheidet und wie sie genau vorgehen, erfahren Sie in diesem Video. 

Bildnachweise