Nachrichten 27.10.2021

Vorhofflimmern: Frühe Therapie nun auch im Fokus einer großen US-Studie

Ebenso wie ihre europäischen Kollegen in der EAST-AFNET-4-Studie wollen nun auch US-Kardiologen den möglichen Nutzen einer frühen rhythmuserhaltenden Therapie bei Patienten mit kurz zuvor diagnostiziertem Vorhofflimmern in einer großen Studie prüfen.

An klinischen Studien zum Nutzen antiarrhythmischer Therapien bei Vorhofflimmern waren bislang überwiegend Patienten beteiligt, bei denen diese Arrhythmie bereits vor längerer Zeit diagnostiziert worden war. In der vom Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) in Kooperation mit der Europäischen Rhythmologen-Vereinigung (EHRA) europaweit durchgeführten Studie EAST-AFNET-4 ist bekanntlich erstmals systematisch untersucht worden, ob eine zügig in die Wege geleitete rhythmuserhaltende Therapie („früher Rhythmuserhalt“) bei Patienten mit kurz zuvor diagnostiziertem Vorhofflimmern im Vergleich zu einer konventionellen („üblichen“) Behandlung tödliche und nicht tödliche kardiovaskuläre Ereignisse verhindern kann.

Erfolg mit früher Therapie in der EAST-AFNET-4-Studie

Am Ende zeigte sich dann, dass durch die frühe rhythmuserhaltende Therapie im Verlauf von rund fünf Jahren etwa jedes fünfte Endpunktereignis (kardiovaskulärer Tod, Schlaganfall, Krankenhausaufenthalt wegen dekompensierter Herzinsuffizienz oder akutem Koronarsyndrom) verhindert worden war.

Jetzt darf man gespannt sein, ob sich dieses EAST-AFNET-4-Ergebnis in einer von der kardiologischen US-Fachgesellschaft AHA (American Heart Association) aktuell angekündigten, ähnlich konzipierten Studie reproduzieren lassen wird. Gemeinsam mit dem Duke Clinical Research Institute (DCRI) will nun auch die AHA in der CHANGE AFib-Studie der Frage nachgehen, ob Patienten mit kurz zuvor entdecktem Vorhofflimmern von einer rasch initiierten antiarrhythmischen Therapie klinisch profitieren.

AHA bringt CHANGE AFib-Studie auf den Weg

„Wir haben noch keine Evidenz bezüglich des besten frühen Behandlungsplans bei jenen Patienten, bei denen gerade ein erstmals entdecktes Vorhofflimmern diagnostiziert wurde”, erklärt Prof. Jonathan Piccini, Elektropysiologe an der Duke University und Leiter der CHANGE AFib-Studie, in der AHA-Pressemitteilung zur Ankündigung der Studie. Diese Lücke in der Evidenz versuche man mit CHANGE AFib zu schließen.

Die EAST-AFNET-4-Studie wird in diesem Zusammenhang seltsamerweise mit keinem Wort erwähnt. Ganz so evidenzfrei, wie Piccini suggerieren möchte, ist die wissenschaftliche Zone, in der CHANGE AFib angesiedelt ist, angesichts der EAST-AFNET-4-Ergebnisse aber sicher nicht.

CHANGE AFib wird in der Ankündigung als „pragmatische“ Studie charakterisiert, die weitgehend unter „Real World“-Bedingungen durchgeführt werden soll und deren Ergebnisse deshalb repräsentativ für die klinische Praxis sein sollen. Teilnehmen können nur Zentren, die auch am GWTG-AFib-Programm (Get With The Guidelines – AFib) der AHA beteiligt sind. Die Daten für die Studie werden durch das GWTG-AFib-Register übermittelt.

Dronedaron für die frühe Therapie vorgesehen

An rund 200 in das Register eingebundenen Kliniken sollen rund 3000 Patienten mit Vorhofflimmern, das innerhalb der vergangenen 60 Tage erstmals entdeckt wurde, in die Studie aufgenommen werden.   

Obwohl als „pragmatische“ Studie charakterisiert, scheint CHANGE AFib in einem Punkt strikter zu sein als EAST-AFNET-4: Während in der zwei unterschiedliche Behandlungsstrategien vergleichenden europäischen Studie die behandelnden Ärzte selbst entscheiden konnten, mit welchem Antiarrhythmikum sie einen „frühen Rhythmuserhalt“ anstreben wollten, gibt es im Studienplan der CHANGE AFib-Studie eine klare Vorgabe: Die Patienten werden per Randomisierung entweder einer Therapie mit Dronedaron additiv zur üblichen Behandlung („usual care“) zugeteilt oder sie erhalten nur die übliche Behandlung.

Die Initiatoren der Studie gehen davon, dass CHANGE AFib voraussichtlich im Jahr 2024 beendet sein wird.

Literatur

Pressemitteilung der American Heart Association (AHA) vom 26. Oktober 2021: American Heart Association launching pragmatic clinical trial for treatment of first-detected AFib.

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