Nachrichten 24.08.2017

Vorhofflimmern: Frauen klagen über stärkere Belastung durch Symptome

Im Fall von Vorhofflimmern sehen Frauen ihre Gesundheit durch Symptome wie Palpitationen und Schwindelgefühl offenbar stärker beeinträchtigt als Männer. Das geht aus Daten einer systematischen  Befragung im Rahmen einer Studie an Zentren in der Schweiz hervor.

Frauen mit Vorhofflimmern schätzen ihrer Gesundheitszustand schlechter ein als von dieser Arrhythmie betroffene Männer. Der Anteil der Frauen, die in möglichem Zusammenhang mit Vorhofflimmern stehende Symptome angaben, war signifikant höher als der entsprechende Anteil bei den Männern. Zwar nahm die Symptombelastung in beiden Gruppen mit der Zeit ab – an der Tatsache, dass Frauen im Vergleich häufiger über Beschwerden  berichteten, änderte sich dadurch aber nichts.

Zu diesen Ergebnissen gelangte eine Untersuchergruppe um Dr. David Conen in der prospektiven Kohortenstudie BEAT-AF (Basel Atrial Fibrillation Cohort), die an sieben kardiologischen Zentren in der Schweiz durchgeführt wird. Als Studienteilnehmer sind dafür zwischen 2010 und 2014 insgesamt 1553 Patienten mit dokumentiertem Vorhofflimmern rekrutiert worden. Frauen waren im Schnitt etwas älter als Männer (70 vs. 67 Jahre).  

Das Studienprotokoll sah unter anderem jährliche Erhebungen zum Gesundheitsstatus der Teilnehmer mittels Fragebögen vor. Die Teilnehmer sollten dabei auch ihre subjektive Wahrnehmung der eigenen Gesundheit anhand einer visuellen Analogskala bewerten. Die dabei ermittelten Scores waren bei Frauen im Vergleich zu Männern signifikant niedriger – was gleichbedeutend damit ist, dass sie ihre Gesundheit als relativ stärker beeinträchtigt einschätzten (p<0.0001).

Frauen berichteten allgemein signifikant  häufiger über Symptome  (85.0% vs. 68.3%; p<0.0001). Von den Vorhofflimmern potenziell zuzuschreibenden Beschwerden wurden Palpitationen (65.2% vs. 44.4%), Schwindelgefühl (25.6% v. 13.5%), Dyspnoe (35.7% vs. 21.8%) und Erschöpfung (25.3% vs. 19.1%) von Frauen jeweils signifikant häufiger genannt als von Männern.

Unterschiede persistierten auch nach Jahren

Nach einem Jahr hatten die Symptom in beiden Geschlechtergruppen zwar abgenommen,  gleichwohl  waren es auch zu diesem Zeitpunkt nach wie vor die  Frauen, die darüber häufiger klagten (49.1% vs. 32.6%, p<0.0001). Dies war auch nach zwei Jahren (48% vs. 32%) und nach drei Jahren (41% vs. 31%) noch der Fall. Auch nach statistischen Adjustierungen für diverse Variablen blieben die diesbezüglichen Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern bestehen.

Im ersten Jahr der Nachbeobachtung war rund ein Viertel (26,3%) aller Teilnehmer einer Katheterablation (Pulmonalvenenisolation) oder Elektrokardioversion unterzogen worden. Die entsprechenden Raten unterschieden sich bei Frauen und Männern nicht signifikant (25,7% vs. 30,6%, p=0,07).

Welche Mechanismen den gezeigten geschlechtsspezifischen Unterschieden zugrunde liegen, ist derzeit unklar.  Die Schweizer Studienautoren bringen spekulativ eine bei Frauen mit paroxymalem Vorhofflimmern bestehende höhere Herzfrequenz, einen niedrigeren vagalen Tonus und eine höhere Inzidenz von Störungen der Schilddrüsenfunktion in die Diskussion. Zur genauen Klärung bedarf es nach ihrer Ansicht jedoch weiterer Studien. 

Literatur

Blum S. et al.: Prospective Assessment of Sex-Related Differences in Symptom

Status and Health Perception Among Patients With Atrial Fibrillation

Journal of the American Heart Association. 2017;6:e005401, https://doi.org/10.1161/JAHA.116.005401 

Highlights

DGK-Kongress to go

DGK.Online 2020 – der Online-Kongress der DGK: Damit Sie auch in Zeiten eingeschränkter Versammlungs- und Reiseaktivitäten immer auf dem aktuellen Stand sind. Sehen Sie Vorträge zu aktuellen Themen von führenden Experten - wann und wo immer Sie wollen.  

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Herzinfarkt in Corona-Zeiten: Sterberisiko in den USA höher als sonst

Weltweit haben Klinikeinweisungen aufgrund von akuten Herzinfarkten in Corona-Zeiten abgenommen. Eine Studie aus den USA deutet nun an, wie sich dies auf die Überlebenschancen der Patienten ausgewirkt hat.

„Valve-in-valve“-Therapie: Was bringt sie auf längere Sicht?

Die kathetergeführte „Valve-in-valve“-Methode wird bei Fehlfunktionen zuvor implantierter chirurgischer Herzklappen-Bioprothesen immer häufiger genutzt. Wie sind ihre Ergebnisse auf längere Sicht? Eine multinationale Registeranalyse gibt darüber Aufschluss.

Antikoagulation bei COVID-19: Steigen die Überlebenschancen mit höheren Dosen?

Eine SARS-CoV-2-Infektion erhöht das Thromboserisiko. Einige Experten sprechen sich deshalb für eine therapeutische Antikoagulation aus. Doch die scheint einer aktuellen Studie zufolge nicht die erhoffte Wirkung zu erzielen.

Aus der Kardiothek

Was sehen Sie im Kardio-MRT?

Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement) mit Darstellung eines Kurzachsenschnitts im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

BNK-Webinar "Von den Toten lernen für das Leben"

Alle verstorbenen COVID-19-Patienten werden in Hamburg obduziert und häufig auch im CT  betrachtet. Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel gewährt einen Einblick in seine Arbeit und erläutert die Todesursachen der Patienten – mit speziellem Fokus auf das Herz.

Kardiologische Implikationen und Komplikationen von COVID-19

Sind Herzpatienten besonders gefährdet und welchen Einfluss haben ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker? Dies und mehr beantwortet Prof. Martin Möckel, Internist, Kardiologe und Notfallmediziner von der Berliner Charité.

Bildnachweise
DGK.Online 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org
Webinar Prof. Martin Möckel/© Springer Medizin Verlag GmbH