Nachrichten 11.07.2018

Vorhofohr-Verschluss: Anatomische Besonderheiten ohne Einfluss auf prozeduralen Erfolg

Beim linken Vorhofohr (left atrial appendage, LAA) gibt es anatomische Varianten. Auf den Implantationserfolg im Falle eines katheterbasierten LAA-Verschlusses mittel Okkluder scheint die LAA-Morphologie aber keinen Einfluss zu haben, wie Daten aus dem deutschen LAARGE-Register nahelegen.

Primäre Option zur Thromboembolie-Prophylaxe bei  Patienten mit Vorhofflimmern und hohem Schlaganfallrisiko ist die orale Antikoagulation.  Spricht etwa ein hohes Blutungsrisiko gegen diese Art der Prophylaxe, gibt es heute eine  alternative „mechanische“ Option, nämlich den  katheterbasierten Verschluss des linken Vorhofohrs mithilfe eines sogenannten LAA-Okkluders. Dabei handelt es sich um eine Art „Stöpsel“, der das Vorhofohr als häufigen Entstehungsort von atrialen Thromben verschließt.

Vier LAA-Morphologien beschrieben

Die aktuellen  europäischen Leitlinien zum Management bei Vorhofflimmern enthalten bereits eine noch vorsichtig formulierte Empfehlung, wonach ein LAA-Verschluss bei Patienten mit Kontraindikationen für eine Langzeit-Antikoagulation „in Betracht gezogen werden kann“ (IIb-Empfehlung).

Das Vorhofohr hat keine uniforme Struktur. Inzwischen hat man die Morphologie dieser Vorhofaussackung deskriptiv und phantasiereich in vier strukturelle Kategorien unterteilt:

  • eine dem „Chicken Wing" ähnliche Form, bei der die Aussackung im proximalen oder mittleren Teil einen typischen Knick aufweist
  • eine „Kaktus"-Form mit dominanter zentraler Aussackung und davon nach oben und unten abgehenden kleineren Ausstülpungen
  • eine „Windsack"-Form mit einem dominanten Lobus und
  • eine „Blumenkohl"-Form mit sehr unregelmäßig konfigurierten Ausstülpungen.

Eine Gruppe deutsche Kardiologen hat sich nun gefragt, ob die unterschiedliche anatomische Beschaffenheit des linken Vorhofohrs wohl Einfluss auf den Erfolg des interventionellen LAA-Verschlusses haben könnte. Nach einer Antwort haben die Untersucher um Dr. Christian Fastner von der Uniklink Mannheim in einer Subanalyse von Daten des prospektiven multizentrischen LAARGE-Registers (Left-Atrial-Appendage-Register Germany) gesucht.

Der aktuellen Analyse liegen Daten von 562 Patienten mit Vorhofflimmern und dokumentierter LAA-Morphologie zugrunde. Bei ihnen bestand ein relativ hohes Risiko sowohl für Schlaganfälle als auch Blutungen. Vorwiegend aufgrund von Blutungen in der Vorgeschichte war bei ihnen ein LAA-Verschluss als indiziert erachtet worden. Dafür sind im  LAARGE-Register unterschiedliche Okkluder-Systeme genutzt worden, außer dem Watchman-Device  auch die Systeme  Amplatzer Cardiac Plug und Amplatzer Amulet.

Abweichung nur bei "atypischer" Morphologie

Die Raten für eine erfolgreiche Device-Implantation (primary efficacy outcome) waren mit 99,6% („Chicken Wing“), 98,8% („Blumenkohl“), 97,6 („Windsack“) und 100% („Kaktus“) bei allen vier LAA-Morphologie sehr hoch. Nur im Fall von Morphologien, die diesen Kategorien nicht klar zuzuordnen waren („atypische“ LAA-Morphologie), war die Erfolgsrate mit „nur“ 94%  signifikant niedriger.

Ansonsten fiel noch auf, dass die Durchleuchtungszeit im Fall des „kaktusförmigen“ Vorhofohrs tendenziell kürzer und bei „atypischer“ LAA-Morphologie signifikant länger war als im Gesamtdurchschnitt. Auch hinsichtlich der insgesamt seltenen periprozeduralen oder intrahopital aufgetretenen Komplikationen konnte kein Bezug zu einer spezifischen LAA-Morphologie festgestellt werden.

Literatur

Fastner C. et al.: Impact of left atrial appendage morphology on indication and procedural outcome after interventional occlusion: results from the prospective multicentre German LAARGE registry.  EuroIntervention 2018;14:151-157

Highlights

Neuer Podcast: Kardiovaskuläre Prävention – zwischen Mythen und Fakten

Neuer Podcast auf Kardiologie.org! In der zweiten Ausgabe mit Prof. Ulrich Laufs geht es um gängige Irrtümer in der kardiovaskulären Prävention, um immer neue Empfehlungen zu Eiern und um die Frage: Statine – ja oder nein?

Herzkongress mit wöchentlichen Vorträgen

Der DGK.Online-Kongress 2022 geht weiter: Jede Woche erwarten Sie wieder spannende Live-Vorträge aus der Herz-Kreislauf-Medizin, viele davon CME-zertifiziert. Nehmen Sie teil und sammeln Sie live CME-Punkte!

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Neue TAVI-Aortenklappe mit gutem Leistungsprofil in der Praxis

Ein neues und technisch verbessertes Klappensystem für die Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) hat im Hinblick auf Sicherheit und Effektivität in einer Registeranalyse gute Leistungsmerkmale gezeigt.

Statine: Automatisierte Erinnerungen können Verschreibungsrate erhöhen

Damit bei keinem Hausarzttermin mehr vergessen wird, geeigneten Patienten und Patientinnen Statine zu verschreiben, haben US-amerikanische Forschende ein System getestet, dass mithilfe von elektronischen Patientenakten und SMS alle Beteiligten daran erinnert.

Laienreanimiation: Machen Smartphone-Alarme sie besser?

Eine randomisierte Studie hat untersucht, ob eine Alarmierung registrierter Laienhelfer per Smartphone bei (Verdacht auf) Herzstillstand die Einsatzrate von externen Defibrillatoren erhöht. Das war nicht der Fall, was aber nicht gegen die Alarm-Algorithmen spricht.

Aus der Kardiothek

Influenzaimpfung in der kardiologischen Praxis: Tipps zur Umsetzung und Abrechnung

Auch in der kardiologischen Praxis können Patienten/Patientinnen gegen Influenza geimpft werden. Prof. Jörg Schelling erläutert, was Sie bei der Umsetzung beachten sollten und gibt Tipps zur Abrechnung.

Update Amyloidose: Red Flags, Diagnose und Therapie

Die Dunkelziffer bei der ATTR-Amyloidose ist groß. Umso wichtiger ist es, dass Kardiologen/Kardiologinnen die typischen Beschwerden kennen und erkennen. Prof. Wilhelm Haverkamp gibt Tipps zur Diagnosestellung und Behandlung und klärt wichtige Fragen zur Erstattung.

Hätten Sie es erkannt?

Intravaskuläre koronare Bildgebung mittels optischer Kohärenztomografie eines 46-jährigen Patienten nach extrahospitaler Reanimation bei Kammerflimmern. Was ist zu sehen?

Podcast-Logo
DGK.Online 2022/© DGK
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org
Kardio-Quiz Oktober 2022/© PD Dr. Daniel Bittner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen