Nachrichten 29.10.2019

Weniger Vorhofflimmern nach Herzoperationen dank Vagusnerv-Stimulation?

Eine nicht-invasive Stimulation des Nervus vagus nach einer Herzoperation könnte das Risiko für postoperatives Vorhofflimmern senken. Darauf deutet zumindest eine randomisierte Phase II-Studie von Herzchirurgen der Medizinischen Universität Wien hin.

Postoperatives Vorhofflimmern betrifft 25% bis 40% aller Patienten, die sich einem einfachen herzchirurgischen Eingriff unterziehen. Bei kombinierten Bypass-Klappen-Operationen ist eine Inzidenz von bis zu 60% beschrieben. Das Problem tritt meist am zweiten oder dritten postoperativen Tag auf. Oft verschwindet es wieder, bei vielen Patienten kommt es aber im Verlauf zu Rezidiven.

Wie mit dieser Herzrhythmusstörung therapeutisch umgegangen werden sollte, ist unklar. Klar ist allerdings, dass das perioperative Vorhofflimmern mit unerwünschten Ereignissen korreliert, darunter Hypotonie. Es wurde deswegen immer wieder diskutiert, ob und wie sich perioperatives Vorhofflimmern vermeiden lässt. Zu den möglichen Strategien zählt die Vagusnerv-Stimulation, die in Studien bisher vor allem mit intrathorakalen Elektroden durchgeführt wurde.

Aurikulärer Stimulationsort

An der Medizinischen Universität Wien treiben die dortigen Kardiochirurgen jetzt einen nicht-invasiven Ansatz der Vagusnervstimulation voran, nämlich die niedriggradige, transkutane, elektrische Stimulation (low-level transcutaneous electrical stimulation, LLTS) des aurikulären Asts des N. vagus. In einer randomisierten, Sham-kontrollierten Phase II-Studie kam ein neu entwickelter Stimulator zum Einsatz, dessen Elektroden im Bereich der so genannten Fossa im oberen, vorderen Bereich der Ohrmuschel platziert werden. Im Vergleich zu anderen aurikulären Stimulationsorten im Bereich des Tragus sei dieser Stimulationsort für die Patienten vergleichsweise komfortabel, sodass der Stimulator länger getragen werden könne.

Stimuliert wurde bei 20 Patienten in der Interventionsgruppe mit einer Frequenz von 1 Hz und einer für die Patienten nicht spürbaren Stromstärke von 1 mA für jeweils 40 Minuten, gefolgt von 20 Minuten Pause. Der Stimulator wurde je nach Patient für bis zu 14 Tage getragen. Bei den 20 Patienten in der Kontrollgruppe war das genauso, aber es wurde nur ein einziges Mal ganz am Anfang stimuliert, um sicherzugehen, dass der Patient die Stimulation nicht spürt.

Signifikant weniger Patienten entwickelten Vorhofflimmern

Im Ergebnis entwickelten bei im Mittel gleich langer Holter-Überwachung signifikant weniger Patienten in der Interventionsgruppe, nämlich 4 von 20, ein perioperatives Vorhofflimmern, gegenüber 11 von 20 in der Kontrollgruppe (p=0,022). Die Signifikanz wurde hierbei ab dem vierten Tag erreicht, wobei es bereits in den ersten drei Tagen nach der Operation einen klaren Trend zugunsten der Stimulatorgruppe gab. Die mediane Dauer der Flimmerepisoden unterschied sich dagegen genauso wenig wie die mediane Zahl der Flimmerepisoden pro betroffenem Patient. Im Mittel begann das perioperative Vorhofflimmern in beiden Gruppen etwa 2,5 Tage nach dem Eingriff.

Die Wiener Herzchirurgen um Prof. Dr. Martin Andreas wollen den Stimulator aufgrund der guten Ergebnisse jetzt in einer Phase III-Studie evaluieren, in der dann auch ein standardisiertes therapeutisches Vorgehen etabliert werden soll, um die Ergebnisse noch besser vergleichbar zu machen. Andreas schätzt, dass die Behandlung in vier bis fünf Jahren reif für einen klinischen Routineeinsatz sein könnte.

Literatur

Andreas M et al. Electrical Stimulation of the Greater Auricular Nerve to Reduce Postoperative Atrial Fibrillation. Circulation: Arrhythmia and Electrophysiology 2019; 12:e007711

Pressemeldung der Medizinischen Universität Wien vom 22. Oktober 2019

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Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen