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25.07.2016 | Nachrichten

Metaanalyse prüft Evidenz

Wirkt eine mediterrane Diät auch ohne Fettrestriktion?

Autor:
Veronika Schlimpert

Wer sich mediterran ernährt, kann sein Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes und Krebs senken. Auf Fett verzichten, muss man hierfür offenbar nicht, so das Ergebnis einer aktuellen Metaanalyse. Doch es bleiben offene Fragen.

Eine mediterrane Ernährungsweise soll sich auf unsere Gesundheit in mehrerer Hinsicht positiv auswirken. Den Beweis dafür haben in den letzten Jahrzehnten viele Beobachtungsstudien, auch wenige randomisierte Studien, versucht zu erbringen. 

Doch welche Quintessenz lässt sich aus dem bisherigen Studien ziehen? Können wir unser Risiko, an Krebs, Diabetes, Demenz oder einer KHK zu erkranken, wirklich bedeutend senken, indem wir uns mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Fisch ernähren, mit Olivenöl kochen und damit das Fettverhältniss unserer Nahrung zugunsten einfach ungesättigter statt gesättigter Fettsäuren umkehren?

Mediterran bedeutet kein Fettverzicht

Wissenschaftler um Hanna Bloomfield vom Minneapolis VA Medical Center haben die aktuelle Evidenz nun in Form einer Metaanalyse und eines Reviews zusammengetragen. Sie konzentrierten sich dabei auf Studien, die den Effekt einer mediterranen Diät ohne generelle Fettrestriktion in der Primär- und Sekundärprävention untersucht haben. 

Geringeres kardiovaskuläres Risiko in der Primärprävention 

So bezogen sie die Ergebnisse der PREDIMED-Studie ein, eine randomisierte kontrollierte Studie aus Spanien mit 7.447 Teilnehmern. Hier betrug der Fettanteil der mediterranen Kost, die entweder mit Nüssen oder mit extra-virginem Olivenöl ergänzt worden war, immerhin bis zu 40% des Tagesenergiebedarfs. Mit dieser Kost verringerte sich das Risiko der Teilnehmer für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall, kardiovaskulärer Tod) um relative 29% im Vergleich zur Kontrollgruppe, die angehalten wurden, sich fettarm zu ernähren. Auch das Risiko für einen Typ-2-Diabetes fiel um 30% geringer aus; auf die Gesamtmortalität hatte diese Ernährungsweise allerdings keinen Einfluss.

Ebenfalls ohne Effekt auf die Sterblichkeit blieb eine mediterrane Kost bei 429 Altenheimbewohnern in einer kleineren Studie aus Hongkong. 

Effekt in der Sekundärprävention unklar

Was die kardiovaskuläre Sekundärprävention betrifft, ergab sich ein uneinheitliches Bild: In dem „Heart Institute of Spokane Diet Intervention and Evaluation Trial“ mit 202 Infarktpatienten, in der ebenfalls der Effekt einer mediterranen Diät mit dem einer Low Fat-Diät verglichen wurde, war kein Unterschied zwischen beiden Gruppen hinsichtlich des Risikos für weitere kardiovaskuläre Ereignisse zu erkennen. In der Lyon-Diet-Heart-Studie (605 Teilnehmer) hingegen verringerte sich das Risiko für weitere Myokardinfarkte und kardiovaskulären Tod relativ um bis zu 70% bei den Patienten, die sich mediterran ernährt hatten. 

Krebsrisiko sinkt etwas

In der PREDIMED-Studie ließ sich durch eine mediterrane Diät auch das Brustkrebsrisiko um relative 57% senken. Für andere Tumorarten gibt es ebenfalls Hinweise aus einer gepoolten Analyse, dass eine hohe Adhärenz gegenüber einer mediterranen Ernährungsweise im Vergleich zu einer geringen Adhärenz das Risiko, an Krebs zu erkranken und daran zu sterben, senken kann; jedoch handelt sich dabei um Kohortenstudien und die beobachteten Effekte waren eher gering. 

Kaum Wirkung bei kognitiven Störungen

Ebenfalls vage ist die bisherige Evidenz zum Potenzial einer mediterranen Diät, kognitiven Störungen und Demenz vorzubeugen. Während mit der Mittelmeerkost in einer randomisierten kontrollierten Studie die Häufigkeit milder kognitiver Störungen um etwa 50% gesenkt werden konnte, fand eine weitere Studie – ebenfalls mit randomisierten kontrollierten Design – keine entsprechende Assoziation. 

Fazit: Einschränkte Evidenz

Somit existiere eine eingeschränkte Evidenz aus randomisierten Studien, dass eine mediterrane Diät ohne Fettrestriktion mit einem geringeren Inzidenz für kardiovaskuläre Ereignisse, für Typ-2-Diabetes, Brustkrebs und für andere Tumorarten assoziiert sei, schlussfolgern die Studienautoren. Einen Einfluss auf die Gesamtmortalität scheine es allerdings nicht zu geben.

Was andere Erkrankungen wie Bluthochdruck, Rheumatoide Arthritis, Nierenerkrankungen, kognitive Störungen oder die generelle Lebensqualität betrifft, hätten sie keine oder nur geringe Evidenzen für einen Effekt gefunden. 

Was heißt überhaupt mediterran? 

Letztlich bleiben aber – wie bei den meisten Ernährungsstudien – einige Fragezeichen. Viele in dieser Analyse gewonnen Erkenntnisse stammen aus der PREDIMED-Studie, in welcher der Effekt der Mittelmeerkost an Hochrisikopatienten untersucht worden war. Ob sich deren Ergebnisse auch auf andere Bevölkerungsgruppen reproduzieren lassen, bleibt abzuwarten. Auch ist bei einer Metaanalyse ein Publikationsbias nicht auszuschließen.

Und noch immer gibt es keinen eindeutigen und allgemein akzeptierten Konsens zur Definition der mediterranen Diät, wodurch solche Vergleiche schwierig zu interpretieren sind. So weisen auch die Studienautoren darauf hin, dass in künftigen Studien untersucht werden müsste, ob die beobachteten Effekte einzelnen Komponenten der mediterranen Kost oder der Gesamtkomposition zuzuschreiben sind. Unklar ist auch, wie groß die Effekte einer mediterranen Kost auf die Gesundheit im Vergleich zu anderen Ernährungsformen wie der DASH-Diät ausfallen.

Literatur

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